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Arm aber glücklich in Thüringen

Vergangene Woche veröffentlichte das Thüringer Wirtschaftsministerium die Ergebnisse, der im Rahmen des „DGB-Index Gute Arbeit“ von der Friedrich Schiller Universität in Jena erstellte Studie „Arbeiten in Thüringen“. Aus der umfassenden Studie lassen sich zwei grundsätzliche Erkenntnisse ziehen: Thüringer Arbeitnehmer haben mit einem extrem niedrigen Lohnniveau zu kämpfen, leben aber sehr gern im Freistaat. In Zusammenarbeit mit Radio F.R.E.I. entstand der folgende Beitrag (Hier geht’s zur Audioversion)

Arm aber glücklich in Thüringen

Seit Jahren hinkt der Thüringer Arbeitsmarkt in Sachen Entlohnung den anderen Bundesländern hinterher. Und trotzdem leben die Thüringer gern im grünen Herzen Deutschlands. Das geht aus einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena hervor, die vergangene Woche vom Thüringer Wirtschaftsministerium veröffentlicht wurde.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen wurden für die Studie mit dem Titel „Gute Arbeit“ etwas mehr als Eintausend Thüringer Arbeitnehmer über ihre Arbeitsplatzsituation befragt. Daraus geht hervor, dass 85 Prozent der Befragten sich in einem hohen oder sehr hohen Maße mit ihrer Arbeit identifizieren. Zudem haben 70 Prozent der Arbeitnehmer das Gefühl mit ihrer Arbeit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Anders hingegen sieht es mit der Zufriedenheit der Thüringer in Bezug auf ihren Lohn aus. Jeder Zweite Arbeitnehmer klagt über ein unzureichendes oder zumindest sehr knappes Einkommen. 6 von 10 fühlen sich schlecht oder unterbezahlt. Kein Wunder, denn 59 Prozent der Thüringer verdienen zwischen 400 und 2000 Euro Brutto im Monat und zählen damit zu den Geringverdienern. 14 Prozent mehr als im Innerdeutschen Durchschnitt. Ähnlich schlecht schneidet Thüringen im Innerdeutschen Vergleich bei den hohen Einkommensklassen ab. Lediglich 4 % der Thüringer verdienen 4000 Euro oder mehr. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 11%. Erschreckende Zahlen, findet auch Anja Siegesmund, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag:

„Wenn 60% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Thüringen weniger als 2000€ im Monat verdienen, dann reicht das Geld zum Leben nicht und dann muss auch unser Thüringer Wirtschaftsministerium sich dazu bekennen, dass wir im Bereich „Gute Arbeit“ deutlich draufsatteln müssen.“

Dass es in Sachen Löhne Nachholbedarf gebe, räumte auch Wirtschaftsminister Uwe Höhn in einer Pressemitteilung ein. Stephan Krauß, Pressesprecher des Wirtschaftsministeriums, schob die Verantwortung gegenüber Radio F.R.E.I. zunächst einmal den Unternehmen zu:

„Also zunächst einmal sind natürlich, wenn es um Löhne geht, vor allem erst mal die Unternehmen selber gefragt.“

Aber auch die Politik habe, insbesondere durch die Vergabe von Fördermitteln, Möglichkeiten auf das Lohnniveau Einfluss zu nehmen, sagte Krauß. Das werde in Thüringen jedoch schon lange praktiziert. So würden zum Beispiel keine Unternehmen gefördert, die eine hohe Leiharbeiterquote aufweisen. Das sei jedoch noch nicht alles.

„Wir haben jetzt neu eingeführt, übrigens im Einvernehmen mit den Industrie- und Handelskammern, dass es ein Entgeltkriterium gibt. Das heißt, dass Unternehmen, die unterhalb eines bestimmten Lohnniveaus zahlen, bekommen keine Förderungen mehr.“

So Krauß. Um die Kritik von Anja Siegesmund am Wirtschaftsministerium einordnen zu können, führte er fort, dürfe eine Zahl, die nicht in der Studie zu finden sei, nicht vergessen werden: In der letzten Legislaturperiode wuchs das Lohnniveau in Thüringen um insgesamt 12,1%. Außerdem spreche auch die sinkende Arbeitslosenzahl für sich. Aber auch Anja Siegesmund beherrscht das Spiel der Zahlen. Sie entgegnet:

„Natürlich ist es so, dass wir eine sinkende Arbeitslosenquote haben, aber wenn Sie sich auf der anderen Seite angucken, dass die Armutsquote in Thüringen immer noch bei knapp 17 % liegt, wir gehören mit zu den ärmsten Ländern im Bundesvergleich, dann sehen Sie, dass Beschäftigung nicht automatisch heißt, dass man von Armutsgefährdung ausgeschlossen ist.“

Und damit spricht Siegesmund rund 87 % der Thüringer Arbeitnehmern aus dem Herzen, die der Studie zufolge, die Altersarmut fürchten. Denn auch das ist eine wesentliche Erkenntnis der Studie: Die Thüringer vertrauen nicht auf die gesetzliche Rente.

Die Thüringer Grünen schlagen zur Lösung dieser Probleme ein Landesarbeitsmarktprogramm vor, dass insbesondere Langzeitarbeitslose und Ausbildungsabbrecher fördert. Ganz unter dem Motto eine zweite Chance am Arbeitsmarkt.

Eine Zahl der sowohl Anja Siegesmund, als auch Stephan Krauß nur positives abgewinnen konnten, zielt auf die Bewertung der Lebensqualität in Thüringen ab. Sagenhafte 94 % der Befragten finden: Thüringen ist ein lebenswertes Bundesland.

Tja Geld und Lohn allein machen eben nicht glücklich.

 

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