New-York

Bloggen im Big Apple

Die vergangenen drei Wochen verbrachte Local Times Autor Andreas Kehrer in New York City. Viele Erlebnisse schrieb er in seinem Reiseblog nieder. Darüber hinaus traf er die New Yorker Bloggerin Tracy Kaler, die in Tracy’s New York Life die Geschichten des Big Apples erzählt. Lokaler Blogjournalismus in der vielleicht aufregendsten Stadt der Welt – ein Blick über den Erfurter Tellerrand. 

„Tracy’s New York Life“ – das klingt wie der Titel einer neuen HBO-Serie. Dein Blog liest sich manchmal sogar wie eine Serie von Geschichten, nur über das reale Leben, oder?

tracy3Tracy’s New York Life war Anfangs ein persönlicher Blog, aus dem inzwischen jedoch sehr viel mehr geworden ist. Ich denke, dass er eine hochwertige Quelle für alle New Yorker und die, die diese Stadt lieben, geworden ist. In der Tat ist jeder von uns geschriebene Artikel real und da wir keine fiktiven Geschichten schreiben, unterscheiden wir uns doch sehr von einer TV Serie. Aber wer weiß schon, was noch wird? Zum jetzigen Zeitpunkt ist es ein Blog über den Lifestyle von New York und eben keine Serie von zusammenhängenden Geschichten. Ich habe zwar viel über die Dinge geschrieben, die ich hier erlebt habe und auch über sehr Persönliches, aber das ist nur ein kleiner Teil der Beiträge auf Tracy’s New York Life.

Du hast 2011 angefangen zu bloggen, kannst du dich noch an deinen ersten Beitrag erinnern?

Der erste Post, den ich geschrieben habe, handelte vom Kauf eines Appartments in Manhattan. Damals waren mein Mann und ich auf der Suche nach einer schönen Wohnung und konnten nicht glauben, wie teuer diese Stadt ist und was hier so angeboten wird. Der Titel war damals „If I Had a Million Dollars“.

Ist es eigentlich Fluch oder Segen über die aufregendste Stadt der Welt zu schreiben?

Das hängt immer von der Person ab, die man fragt. Ich empfinde es als Segen, denn ich liebe diese Stadt und wollte schon immer hier leben. Zunächst hatte ich die Möglichkeit darüber zu schreiben, wie es ist nach New York zu ziehen, heute schreibe ich darüber wie es ist, hier zu leben – beides ist unglaublich spannend.

Wie wichtig ist dir als Bloggerin das Feedback deiner Leser? Was bedeuten dir Kommentare und Views?

Views sind wichtig, aber was viel wichtiger ist, sind die wiederkehrenden Leser. Wenn ich merke, dass Leser immer wieder auf meine Seite kommen, dann heißt das, dass ich etwas richtig mache. Kommentare finde ich nicht so wichtig, denn viele Leute nutzen Kommentare, um Links zu setzen und auf ihren eigenen Blog aufmerksam zu machen. Besonders schön ist es aber Nachrichten von Fans zu bekommen, das motiviert weiterzumachen.

Wann hast du gemerkt, dass dein Blog mehr sein könnte als nur ein Hobby?

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, dass ich realisiert habe, dass mein persönlicher Blog das Potential hat, etwas Größeres zu werden. Ich habe damals dann mehr Zeit investiert, aber der Weg zu einem erfolgreichen Blog ist lang. Es hängt auch immer davon ab, wie man Erfolg definiert. Manche definieren es über das dazugehörige Publikum und andere über das monatliche Einkommen. Ich bin ehrlich gesagt immer noch dabei für mich zu definieren, was Erfolg als Bloggerin bedeutet.

Du verdienst mit der Werbung auf deinem Blog Geld. Hast du dir Regeln aufgestellt, nach denen du mit Sponsoren verhandelst?

Mach dem Sponsor deutlich, was du ihm zu bieten hast und verkauf dich nicht. Poste nichts in deinem Blog, dass dich Leser kosten könnte. Und mach immer deutlich, wenn ein Beitrag gesponsert wurde. Ach und verlange das Geld im Voraus.

Was ist deiner Meinung nach der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem Blogger?

Ich denke, dass die Grenzen da heute mehr und mehr verschwimmen. Es gibt natürlich Blogger, die in erster Linie Fotos posten und dazu nur ein paar wenige Zeilen schreiben. Diese Blogger würde ich nicht unbedingt Journalisten nennen, aber vielleicht Kuratoren. Andere haben einfach ein wahnsinnig gutes Auge für Details und machen daraus einen Blog. Aber ich denke die Blogger, die qualitativ hochwertige Beiträge schreiben, sind Journalisten. Tatsächlich war ich vor ein paar Wochen zu einem Event eingeladen und wurde  dort ein paar Leuten vorgestellt. Die fragten mich dann, ob ich Journalistin wäre und ich sagte: „Ich bin Bloggerin.“ Dann sagten sie: „Also bist du eine Journalistin.“

Wie wichtig sind Soziale Netzwerke für Blogger?

Soziale Netzwerke sind die wichtigsten Hilfsmittel für Blogger. Wenn du Blogger bist, aber keine Netzwerke benutzt, betrügst du dich letztlich selbst. Ich halte Twitter und Instagram für die Wichtigsten, knapp gefolgt von Facebook. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Kanäle funktionieren und welche nicht. Allerdings sollte ein Blogger hier auch nicht viel machen, denn Soziale Netzwerke kosten viel Zeit und das kann überhand nehmen.

Du schreibst selbst, dass du dich in New York verliebt hast und manchmal sogar „zu romantisch“ über die Stadt schreibst. Was macht die Magie dieser Stadt aus?

Ich denke, Magie erlebt hier jeder auf eine andere Weise. Für mich sind es die unzähligen Möglichkeiten. In NYC kann alles passieren. Du läufst morgens nichtsahnend aus dem Haus und in Sekunden kann aus einem gewöhnlichen Tag etwas ganz Besonderes werden. Es ist eine Stadt, in der du dich großen Träume hingeben kannst. Die meisten Menschen die nach New York kommen, wollen hier ihre Träume verwirklichen und an jedem Tag gehen einige davon auch in Erfüllung. Klar muss man dafür viel arbeiten, darf sich nicht aufgeben und muss sich voll und ganz einer Sache verschreiben. Aber zu wissen, dass du hier eines Morgens aufwachst, dir deine Zähne putzt und dir eine Hose anziehst, genau wie an jedem anderen Morgen, und das dieser Tag trotzdem alles in deinem Leben auf den Kopf stellen kann. Das ist das Magische.

Vielen Dank für das Interview.

Tracy im Central Park
Tracy im Central Park

 

Andreas Kehrer

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