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Brauner Wind und Rote Fahnen 1. Mai 2016 in Erfurt

Längst ist der 1. Mai keine rein linke Domäne mehr. 2016 marschieren wieder mal Rechtsextreme durch die Landeshauptstadt Thüringens. Wenige Tage später, am 8. Mai, ruft die „Europäische Aktion“ zur Demo auf, die als Holocaust-Leugner Organisation bekannt geworden ist. Der Tag der Arbeit in Erfurt hat sich zunehmend zum „Tag der antifaschistischen Arbeit“ entwickelt. Wir haben alle wichtigen Ereignisse der Woche für euch zusammengefasst.

Der alte Gewerkschafter schaute vorsichtig über seine Schulter. Die Arbeiterschaft sah außergewöhnlich gut aus an diesem Tag. Die Frauen und Männer trugen ihre beste Kleidung. Zu Tausenden versammelten sie sich vor den Erfurter Betrieben. Normalerweise hätte ihn die hohe Teilnehmerzahl erfreut. Doch der Blick auf die Spitze des Zuges trübte seine Stimmung. Dort versammelten sich die weißen Kragen der Unternehmer. Zum ersten Mal in der Geschichte des „Arbeiterkampftags“ musste die Belegschaft ihren eigenen Chefs hinterher trotten. Ihr Ziel war die Mitteldeutsche Kampfbahn, das spätere Steigerwaldstadion. Von 150.000 Erfurtern versammelten sich dort Einhunderttausend Einwohner, um den Worten des Führers im Rundfunk zu lauschen. Diese Farce eröffnete den staatlichen 1. Mai in Erfurt. Einen Tag später stürmten SA und SS die Gewerkschaftshäuser. Das war 1933.

Am 1. Mai 2016 marschieren wieder einmal Nazis in Erfurt auf. Unter dem Motto „Tradition verpflichtet“ mobilisiert die Partei „Die Rechte“ zur Demonstration. Treff ist 12 Uhr am Hauptbahnhof. Doch die Erfurter Zivilgesellschaft bietet ein großes Programm an Gegenveranstaltungen und Anlaufpunkten. Hier der Überblick.

Antifaschistische Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen zum 1. und 8. Mai:

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Am 30. April feiert „Erfurt lacht“ ein Straßenfest auf dem Anger und setzt dem Rassismus ein breites Grinsen entgegen. Von 11 bis 19 Uhr will das Bündnis mit Unterhaltung und Infoständen für ein weltoffenes Erfurt eintreten. Neben Snacks und Unterhaltung bieten euch die Lachenden ein breites Musikprogramm. Auf dem Fest performen neben Bands auch Poetryslammer gegen Rechts.

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Die Nationalsozialisten hetzten damals gegen die „Klassenzerklüftung“ des deutschen Volkes und zerschlugen die freien Gewerkschaften. Mit dem Slogan „Wir sind nicht Volk, wir sind Klasse“ mobilisieren deshalb die Jugendorganisationen der Gewerkschaften und linken Parteien gegen Rechtsextremismus und Ausbeutung. Für SPD-Stadtrat Kevin Groß gehört der Kampf gegen Ausbeutung und gegen Nazis am Tag der Arbeit zusammen:

Das Grundproblem der kapitalistischen Ausbeutung ist immer noch auf der Tagesordnung: Der Widerspruch von Kapital und Arbeit ist noch nicht aufgelöst und gerade im Zuge von ökonomischen Krisen ist der Kampftag mehr als notwendig. Nicht nur, um für bessere Löhne, Arbeitsbedingungen und Solidarität einzustehen, sondern auch gegen Nazis auf die Straße zu gehen. Wir stehen zusammen, vielleicht nicht mehr als Arbeiterinnen und Arbeiter im Sinne des Klassenbegriffs, aber im Sinne der Losung „Gegen Kapital, Reaktion und Faschismus“.

Am 1. Mai um 10 Uhr beginnt vor der Staatskanzlei die Kundgebung und um 10:30 Uhr die Demonstration der Gewerkschaften.

 

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Wer zu Hause bleiben muss, auf Reisen ist oder sich unterwegs in Erfurt zur aktuellen Situation auf der Straße informieren möchte: Radio F.R.E.I. berichtet live zum 1.Mai und hilft den Gegenprotesten, die Übersicht zu bewahren. Die Sendungen laufen von 10 bis 16 Uhr.

 

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Zwei antifaschistische Kundgebungen gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai sind bereits angemeldet. Von 10 bis 20 Uhr an der Südseite des Hauptbahnhofs und von 12 bis 18 Uhr an der Staufenbergallee 60. Hinzu kommt ein weiterer Kundgebungsort  ab 11 Uhr auf dem Anger, der vom DGB angemeldet wurde. Die verschiedenen Protestorte ermöglichen eine hohe Beweglichkeit in der Stadt und sind praktische Anlaufpunkte, um die „Rechten“-Demo zu begleiten.

 

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„No Way“ heißt es ebenfalls am 8. Mai. Eine Feiermeile zum Tag der deutschen Niederlage findet von 9 bis 20 Uhr auf dem Angerdreieck statt. Doch nicht nur das Ende des Nationalsozialismus wird an diesem Tag bejubelt. Gleichzeitig könnte ihr von 10 bis 20 Uhr am Haus der sozialen Dienste (Juri-Gagarin-Ring 150) und von 10 bis 18 Uhr an der Neuen Synagoge (Juri-Gagarin-Ring 16) gegen den Aufmarsch der rechtsextremen „Europäischen Aktion“ demonstrieren.

 

 

22.04.2016, Text: Armin Kung.

 

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