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CoWork sucht Arbeitsplatz CoWorkspace "Krämerloft"

Kreativität ist ansteckend und Ideen fruchten besonders gut in sogenannten „CoWorkspaces“. Die Generation Y trifft sich hier in einer selbstbestimmten und produktiven Atmosphäre. Warum Erfurt noch keinen CoWorkspace hat und was das „Krämerloft“ dagegen tun will.

Die Vögel zwitschern, die Baumkronen rauschen und mittendrin tippen einige Thüringerinnen und Thüringer auf ihren Laptops herum. In einem Garten zwischen Erfurt und Sömmerda hatte Nicole Sennewald zum „GardenCoWorking“ geladen. Hinter dem Begriff versteckt sich eine einfache Idee: Freiberufler, die sonst einsam im heimischen Arbeitszimmer hocken oder sich dauerhaft Büros mieten müssten, können im CoWorkspace eine kreative Arbeitsatmosphäre genießen. In Nicoles Fall auf einer Gartenterrasse unter blauem Himmel. So schön gemeinsames Arbeiten in der der Natur auch klingt, ihr Garten war nur ein Notbehelf. Nicole Sennewald und ihre Geschäftspartnerin Biance Schön-Ott suchen in Erfurt Räumlichkeiten für ihre Vision, dem „Krämerloft“.

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Kaffee und Laptop, die wichtigsten Arbeitsmittel der Generation Y.

In anderen Großstädten ist diese Form der „neuen Arbeitswelt“ seit Jahren Normalität. Tisch mieten, die heimische Enge verlassen und in der Gemeinschaft am eigenen Projekt arbeiten. Besonders Freiberufliche, Kreative und Digitale bevorzugen diese Art des urbanen Arbeitens. Ein festes Büro zu mieten, passt oft nicht in die Lebensrealität von Grafikern, Programmiererinnen oder Textern. Workspace dagegen heißt: Laptop einpacken, Arbeitsplatz mieten und los geht’s. Außerdem ist es auf diese Weise leichter, Arbeitszeit und Freizeit räumlich voneinander zu trennen. Im besten Fall bietet ein CoWorkspace sogar Kinderbetreuung an. Genau dies hat Nicole mit ihrem Krämerloft geplant.

Der gemeinschaftliche Arbeitsraum ist flexibel, bietet aber auch Konstanz. „Wir planen nicht nur mietbare Schreibtische, Zimmer und Meetingräume, sondern auch Schränke und Spinte, damit unsere Leute nicht jeden Tag alles in den Space bringen müssen.“ sagt Nicole. Außerdem wird es eine Gemeinschaftsküche geben und Chill-Out Zonen, die nicht nur zum Entspannen gedacht sind, sondern um den Austausch mit anderen Digitalarbeitern anzuregen. Denn Möglichkeiten das Netzwerk zu erweitern, gilt in der Generation Y als Auswahlkriterium für den Arbeitsplatz. Entscheidend für die Umsetzung solcher Ideen sind geeignete Räumlichkeiten. Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem.

Generation Y: (a.k.a. "Millenials")

- Nachfolger der Generation X, zwischen 1980 und 1999 geboren.
- gut ausgebildet, meist mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.
- Ablehnung strenger Hierarchien im Berufsalltag (Angestellte/Vorgesetzte).
- Sinnstiftende Arbeit und Selbstverwirklichung kommen vor Status und Einkommen.
- "Digital Natives" - Technologie-affin und täglich online.
- Optimistische und weltoffene Lebenseinstellung.

In Städten wie Berlin sind Workspaces so normal, dass das digitale Proletariat sich seinen Arbeitsplatz entsprechend seiner Vorlieben bei der Innenarchitektur aussuchen kann. Ganze Länder folgen der neuen Arbeitswelt. So bezeichnet sich Israel selbst als „Start-Up Nation“. Die israelische Firma WeWork ist zu einem internationalen CoWorking-Konzern aufgestiegen. Tel Aviv gilt noch vor Berlin als die Welthauptstadt der Generation Y. Das gemeinschaftliche Arbeiten traf in Israel auf fruchtbaren Boden, weil man dies bereits aus den sozialistischen Siedlungen (Kibbuzim) her kannte, die das Land geprägt haben. Die Workspaces erscheinen auch außerhalb Israels als gemeinschaftliche Arbeitsform in mitten der Marktwirtschaft. Jeder kommt mit seinem eigenen Projekt hinein und profitiert von der Synergie der Gemeinschaft.

Workspace ist nicht gleich CoWorkspace. Auf die Idee, flexible Büros für Freiberufler anzubieten, kamen, auch in Erfurt, schon andere. „Coworking“ dagegen bedeutet,  bewusst von einer gemeinsamen Atmosphäre zu profitieren. Das Krämerloft plant dazu Veranstaltungen und Events, die aus dem Working das „CoWorking“ machen. Es sollen gemeinsame Projekte gestartet oder gegenseitige Hilfestellungen organisiert werden. „Nicht parallel, sondern miteinander arbeiten ist unsere Vision“, sagt Nicole mit einem Grinsen.

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Das Lächeln hinter dem „Krämerloft“: Nicole Sennewald.

Eines der spannendsten Angebote für das Krämerloft bisher war eine Halle im Zughafen. Hier stimmte fast alles. Die zentrale Lage in der Nähe des Bahnhofs und der Innenstadt, der kulturelle Background der Hafenszene und die Kosten. Doch Erfurt wäre nicht Erfurt würde es auch hier keinen Hacken geben. Das Megaprojekt „ICE-City“ droht bereits am Horizont. Für die alten Hallen kann die Deutsche Bahn  keine Garantie zusichern. Es wäre nicht unwahrscheinlich, dass der potentielle Workspace für Hotels und Kongresszentren der Abrissbirne zum Opfer fallen würde. Für ein dauerhaftes Projekt keine Alternative.

Eng verwandt mit den CoWorkspaces sind die „Makerspaces“ und „Hackerspaces“, also Arbeitsräume für Bastler oder Informatiker. In Erfurt existiert in der Webergasse solch eine basisdemokratische Werkstatt für Technik-Nerds. Aus Space-Solidarität wird das Krämerloft-CoWorking übergangsweise dort untergebracht. Alle drei Arten besitzen den gemeinsamen Nenner, dass das Werkeln an individuellen Projekten in der Gemeinschaft enorme Vorteile mit sich bringt. Falls das Krämerloft eine geeignete Räumlichkeit in Erfurt findet, wird der Makerspace mit einziehen.

Für dieses Ziel läuft Nicole seit einem Jahr Runden in alten Fabrikgebäuden und Lofts in der Landeshauptstadt. Doch die CoWorkspace-Idee bringt ihr und ihrer Mitstreiterin Biance Schön-Ott unerwartete unerwartete Probleme bei der Immobiliensuche. Denn nach der Besichtigung kommt seitens der Eigentümer meist die Frage nach dem Verwendungszweck auf. Die Workspace-Idee verursacht in Erfurt oft nur Kopf-kratzen und wird gerne quittiert mit: „Work-was?“

Text: Armin Kung, 23.06.2016

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