Rosen Rosi reichts

Don`t believe the hype – Rosen Rosi

Momentime –  Der Kommentar auf Local Times: 

Zeitungen, Kleinunternehmer, Parteien und Bürger haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken einer verstorbenen Erfurterin auszudehnen. Die piefige Farce um Rosen Rosi.

Über Tote sagt man nichts Schlechtes. Eine Gepflogenheit, die sich wohl jeder für das eigene Ableben wünscht. Doch was passiert im Falle des krassen Gegenteils? Wenn, unter scheinbar guten Vorsätzen, ein ganzes Leben zur Marionette der Eigenwerbung verhunzt wird? Offensichtlich nichts Gutes.

Rosen-Rosi war eine schrullige Verkäuferin von Blumen in der Erfurter Innenstadt. Mit ihrem Fahrrad streifte sie durch die Straßen und verkaufte in Geschäften und Kneipen ihre Rosen. Ihren besonderen Ruf verdankte sie ihren spontanen Gesangseinlagen für angeheiterte Nachtschwärmer. Manche fanden dies verschroben-sympathisch, andere nervig. Mit diesen wenigen Sätzen könnte die Schilderung um die öffentliche Person „Rosen Rosi“ enden. Doch Erfurter Wirte, Stadtrats-Parteien wie die FDP und die üblichen Medien nutzen das lokale Schlagzeilen-Vakuum der Landeshauptstadt Thüringens, um einen Hype zu befördern, der heftiges Kopfschütteln verursacht.

Denkmal? Denk mal!

Wie kann man politisch scheinbar aktiv werden, ohne einen Finger krumm zu machen? Richtig, durch eine Online-Petition. Ein paar Klicks später steht die Forderung im Raum, ein Denkmal für Rosen-Rosi in der Erfurter Innenstadt zu errichten. Die Petition, die eher wie eine „Eingabe“ aus DDR-Zeiten an die Herrschenden wirkt, fordert von Oberbürgermeister Bausewein „irgendwo einen Ort zu finden“, wo das Motiv einer Rose mit Notenblatt umgesetzt werden soll. Auf der openpetition.de gibt es zu jedem Gesuch eine Debatte mit Pro und Contra-Argumenten. Das treffendste Contra-Argument eines anonymen Autors bringt es auf den Punkt:

„Ruhe in Frieden liebe Rosen Rosi. Ich finde es aber übertrieben ihr ein Denkmal zu errichten. Sie hat das abendliche Erfurt mit ihren Gesängen lustiger und mit den Rosen schöner gemacht, aber wenn sie einen ersteinmal in ein Gespräch verwickelt hat, hat sie schon sehr verwirrtes Zeug erzählt. Wir werden Sie nie vergessen, aber ein Denkmal hätten andere eher verdient!“

Don`t believe the hype

Der Weihnachtsmarkt ist vorbei und nicht jeden Tag will ein Toaster einen Wohnungsbrand auslösen. Daher scheinen sich einige Erfurter auf den Tod einer alten Dame zu stürzen. Doch abgesehen von Gesang und Blumenverkauf war Rosen Rosi eine Privatperson, deren Image maßgeblich vom Stadtgeplapper aufgedrückt wurde. Mittlerweile wird in den sozialen Netzwerken in ihrem Leben herumgeschnüffelt und selbst die lokalen Printmedien greifen diese Absurdität auf.

Statt Ruhe in Frieden, gibt es viel Lärm um Nichts. Weder Respekt vor dem Tod, noch Skrupel vor der Medialisierung des Privaten existieren beim Rosi-Hype. Eine Person wie Rosen-Rosi besaß nie den Status einer echten Prominenten. Dennoch muss man mittlerweile fürchten, dass die kleinste Stadtbekanntheit dazu führt, irgendwo als Denkmal in den Straßen von Erfurt zu enden.

 

 

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