Ein Urgestein im Unruhestand

Prof. Dr. Mai

Es ist soweit! Eines der, wenn nicht sogar das Urgestein der Universität Erfurt geht in den Ruhestand. Prof. Dr. Gunther Mai, der 21 Jahre die Professur für Neuere und Zeitgeschichte innehatte, verlässt die Universität Erfurt. Das Ereignis seiner Pensionierung nutzte das Historische Seminar, um ihn mit einer Abendveranstaltung im Collegium Maius feierlich in den Ruhestand zu verabschieden. Dazu angetreten waren nahezu das gesamte Historische Seminar, zahlreiche Kollegen und Kolleginnen anderer Einrichtungen, Freunde und Bekannte, ehemalige und jetzige Doktoranden, sowie Studierende der Universität. Das Rahmenprogramm, bestehend aus Dankesreden seines Doktoranden Ringo Müller und seiner langjährigen Kollegen und Kolleginnen bot einen würdigen Abschluss für eine lange und erfolgreiche                                 Karriere.

Nach dem Studium der Geschichte, Politologie und Anglistik an der Universität Marburg und einer anschließenden Stelle als Wissenschaftlicher Angestellter am Seminar für Neuere Geschichte an der Universität Marburg  promovierte Gunther Mai 1975 zum Dr. phil. mit einer Arbeit zur  „Westliche[n] Sicherheitspolitik im Kalten Krieg. Der Korea Krieg und die deutsche Wiederbewaffnung 1950“. In den Jahren als Hochschulassistent am Seminar für Neuere Geschichte an der Universität Marburg, die er von 1979-1985 ausübte, habilitierte er  mit der Schrift „Kriegswirtschaft und Arbeiterbewegung in Württemberg 1914-1918“. Nach vielen Stationen kam Prof. Dr. Gunther Mai letztendlich 1993 an die Pädagogische Hochschule Erfurt, der späteren Universität Erfurt, an deren Aufbau er maßgeblich mit beteiligt war.

Nach dieser anstrengenden Zeit der Neuentstehung der Universität, engagierte sich Mai in zahlreichen Gremien bzw. organisatorischen Funktionen, die nicht nur der Ausgestaltung des Historischen Seminars, sondern auch der Schärfung des Profils der gesamten Universität Erfurt bedeutete. An Gunther Mais Zeit als Dekan der Philosophischen Fakultät von 2001-2004 erinnerte der Laudator, Prof. Dr. Patrick Rössler. Voller Respekt und Anerkennung legte er dessen Leistungen dar und lobte seinen eindrucksvollen Führungsstil. Der rhetorische Stil des Gunther Mai wurde in allen ihm geltenden Reden thematisiert – ein Stil der bis heute etwas Eigenes hat. Jeder der ihn kennt, seien es seine Kollegen, seine Doktoranden oder eben auch seine Studenten, wissen um seine ihn auszeichnende Art, der ironischen Gesprächsführung, wie es Prof. Dr. Schäbler treffend in ihrer Rede zusammenfasste. Seine Fähigkeit komplexe, nicht nur historische Sachverhalte sehr plastisch  auszudrücken und Probleme direkt anzusprechen bleibt jedem in Erinnerung. Dass man „mal gehörig den Kopf gewaschen bekam“, wenn man sich auf eine Auseinandersetzung mit Professor Mai einließ, war nichts Besonderes. Eines aber konnte man sich gewiss sein: Bei aller Direktheit, war es konstruktive Kritik, die in diesen Momenten auf einen niederprasselte. Wie sehr er sich für Verbesserungen in seiner Zeit an der Universität Erfurt einsetzte, thematisierte Prof. Dr. Jörg Rüpke. Er stellte klar heraus, dass die Bestrebungen Mais noch lange Zeit nach seinem bevorstehenden Abtritt nachklingen werden.

 

Skeptisch wie eh und je.Dass Lobhudeleien nicht das Ding eines Gunter Mai sind, stellte dieser in seiner Rede in üblicher ironischer Art klar. Im Rückblick auf sein Leben als Akademiker wurde deutlich, dass ihn seine wissenschaftliche Tätigkeit erfüllte. Es war ein bewegender Abschied. Trotz aller Pointen und Witze merkte man dem Urgestein der Universität Erfurt seine Rührung an.

Die Hoffnung, dass sein Ruhestand einen Unruhestand bedeuten möge und er weiterhin die Forschung bereichern wird, brachten alle Festredner zum Ausdruck. Für die Universität wäre es wünschenswert, wenn Gunter Mai nicht nur der Forschung, sondern auch der Lehre, in kleinen, verträglichen Dosen, erhalten bliebe.

Local Times zieht den Hut vor dem Lebenswerk von Prof. Dr.Gunter Mai und wünscht alles Gute!

Studentischer Gastbeitrag, NH

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