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„Endgame“ verläuft sich in Erfurt

Die Organisatoren der verschwörungstheoretisch geprägten Montagsdemo riefen in Erfurt zum „Endgame“ auf. Die „Hooligans gegen Salafisten“ kündigten im Vorfeld ihre Teilnahme dafür an. Aufgrund der lauf- und lautstarken Gegendemonstranten kamen die Pegida-Imitatoren allerdings nicht weit.

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Löchrige Veranstaltung. Die Polizei duldete keine deutschen Flaggen mit Staatswappen.

Gestern gegen die „Islamisierung“, heute gegen die USA. Die „Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ mobilisierten in Erfurt zum Protest gegen …tja…an dieser Stelle wird es schwierig. Während Pegida und andere Abkürzungen in vielen deutschen Städten gegen den Islam und Asylbewerber hetzen, drehte sich bei „Endgame“ alles um die „großen Strippenzieher“ der Weltpolitik. Die klassischen Feindbilder USA und Israel stehen dabei an erster Stelle. Davon ausgehend existieren die krudesten Verschwörungstheorien: Juden, die die Ostküste der USA und damit die Welt beherrschen, freie Energietechnologien, die der Menschheit vorenthalten werden oder der Dritte Weltkrieg, der aktuell in der Ukraine beginnt. Beliebig lässt sich mit der Ideologie der „Endgame“-Teilnehmer die Welt in einfachstem Schwarz und Weiß erklären. Würde man versuchen Pegida und seine Ableger in verschiedenen Mülltonnen zu recyclen, kommt in den „Endgame“-Behälter der ganze Rest hinein, den man woanders nicht zuordnen kann.
LügenpresseZu Beginn der Veranstaltung war die Lage auf dem Bahnhofsvorplatz unübersichtlich, da sich sowohl „Endgamer“ als auch Gegendemonstranten hier trafen. Oft fanden sich orientierungs-lose Teilnehmer in der „falschen“ Gruppe wieder und es kam zu Verwirrungen. Die Polizei machte keine Anstalten, die beiden Gruppen von einander zu trennen, obwohl auch bekannte Neonazis bei Endgame mitliefen. Das Hochhalten eines Transparentes mit dem Schwur von Buchenwald, provozierte Handgreiflichkeiten durch Rechtsextreme. Nur schwerlich schafte es die Polizei die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Nachdem sich die selbsternannten „Demokraten gegen die Amerikanisierung“ endlich vom Bahnhof los bewegten, wurden sie bereits nach wenigen Metern gestoppt. Mit dem riesigen Buchenwald-Transparent platzierten sich linke Gegendemonstranten auf der Bahnhofsstraße vor dem „Endgame“-Zug. Darauf war ein Auszug aus dem Schwur von Buchenwald zu lesen: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit unser Ziel.“ Dass viele Erfurter dieses Gelöbnis noch immer sehr Ernst nehmen, sollte sich in den nächsten Stunden zeigen.wahrheitDie erste Blockade in der Bahnhofsstraße wurde charakteristisch für den ganzen Tag. Der Gegenprotest schafften es stets, „Endgame“ einzuholen und zu stören. Am Juri-Gagarin Ring kam es ebenfalls zu mehreren Blockaden. Die Polizei setzte massiv Gewalt und Pfefferspray ein, um die sitzenden Demonstraten zu vertreiben. Sowohl die Organisatoren der Demonstration als auch die Polizei waren sichtlich überfordert mit den anhaltenden Störversuchen. Schlussendlich war dies der Grund, warum das „Endgame“ sehr schnell zu Ende ging. Nach einer kleinen Runde über die Staufenberg-Allee ging es zurück zum Bahnhof.

Insgesamt bestätigte sich der Eindruck, dass „Endgame“ nur eine bewegliche Form der neuen Montagsdemos darstellte. Der Versuch auf der Pegida-Welle mitzureiten, scheiterte. Umzingelt von doppelt so vielen Gegendemonstranten, verrannten sich die „Endgamer“ in der Innenstadt. Ein guter Tag für Erfurt.

 

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