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Flüchtlingsaktion zwischen Rechtsextremen: Verwirrung am Bahnhof

Eigentlich wollten die syrischen Flüchtlinge aus einer Unterkunft im Erfurter Süden nur Danke sagen. Bunte Rosen mit Grußworten sollten an deutsche Passanten verteilt werden, ähnlich einer früheren Dankes-Aktion auf dem Anger. Doch zu Beginn herrschte Verwirrung.

Heute Mittag gab es ein massives Polizeiaufgebot am Erfurter Bahnhof. Mehrere Einsatzteams in Kampfmontur verteilten sich auf dem Platz, über dem der bekannte Slogan „Willy Brandt ans Fenster“ prangt. Dazwischen eine Gruppe von Syrerinnen und Syrern, die sich verunsichert umschauten. Sie sortierten die gelben und roten Blumensträuße auf den breiten Holzbänken. Die Flüchtlinge schienen sichtlich irritiert. Waren all diese Polizisten nur zu ihrem Schutz da? Niemand von ihnen sprach Deutsch und auch die Polizisten machten keine Anstalten, um in Kontakt mit den blumentragenden Flüchtlingen zu kommen.

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„Vereinte Patrioten“

Auf Nachfrage von Local Times stellte sich heraus, dass der Grund für die große Polizeipräsenz eine angemeldete Nazi-Demonstration war. Zufällig kreuzten sich die Termine der Flüchtlinge und der rechten Demonstration gegen die „Islamisierung“. Weder Nationalisten, Flüchtlinge, noch Polizei schienen einen blassen Schimmer zu haben.

Glücklicherweise waren die „Vereinten Patrioten“ nicht in der Lage, Teilnehmer für ihre Demonstration zu mobilisieren. Ihr beschriftetes Bettlacken und die ausgeblichene Deutschlandfahne flatterten peinlich berührt an den übergroßen Pflanzenkübeln. Nach kurzer Besorgnis gab die Polizei grünes Licht für Dankes-Aktion der syrischen Flüchtlinge.

Es kam, wie es kommen musste. Einige Flüchtlinge gingen direkt auf die wenigen Neonazis zu, um ihnen eine Blume zu überreichen. Ohne Alkohol und ohne aufputschende AfD-Parolen lehnten die Rechten das Rosengeschenk mit einem schüchternem Lächeln ab. Alles blieb friedlich und die Dankes-Aktion war ein Erfolg. Viele Bürger nahmen die Rosen entgegen und kamen mit den Syrern ins Gespräch. Heute wurde aber deutlich, dass Willkommensinitiativen, Flüchtlingshelfer und Sozialbetreuer sorgfältiger informieren müssen, damit sich Flüchtlinge nicht noch einmal versehentlich in eine Nazi-Demo manövrieren.

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Fotos &Text: Armin Kung

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