Weihnachten

Frohes faires Fest! Fair Trade Town Erfurt

Der Erfurter Weihnachtsmarkt ist mit etwa zwei Millionen Besuchern ein großer Wirtschaftsfaktor für die Stadt geworden und für die ansässigen Gewerbetreibenden nicht mehr wegzudenken. Überhaupt sind die Deutschen kauflustig wie nie: Verbraucherforschungsinstitute gehen davon aus, dass der durchschnittliche Deutsche rund 260 Euro für das Fest der Liebe springen lässt. Allerdings wird nur ein Bruchteil aller Umsätze mit fairen Preisen erzielt. Die Fair Trade Town Erfurt hat sich jedoch etwas einfallen lassen.

Am 5. Dezember findet in der Ruine der alten Barfüßerkirche, abseits des großen Weihnachtsrummels, der erste faire Adventsmarkt in Erfurt statt. Von 10 bis 20 Uhr eröffnen hier mehr als 20 Stände und laden die Bürgerinnen und Bürger zu fair gehandeltem Glühwein, Lebkuchen und Bratwurst ein. Darüber hinaus gibt es ein buntes Programm und stündliche Andachten, denn der faire Adventsmarkt ist zugleich christlicher geprägt, als das Konsumfest auf dem Domplatz:

„Da Weihnachten ein christliches Fest ist und wir diesen Adventsmarkt mit verschieden Vertretern der Kirche zusammen organisiert haben, war das Motto „Bewahrung der Schöpfung“ ganz passend. Da steckt die Nachhaltigkeit schon mit drin und fairer Handel hat ja auch viel mit Frieden zu tun.“

Erklärt Kathrin Hoyer, die Beigeordnete für Wirtschaft, die im Sommer 2014 den Ehrentitel „Fair Trade Town“ für die Stadt Erfurt entgegen nahm. Ein Titel der weniger als Anerkennung einer Leistung, sondern eher als Ansporn zu verstehen ist, denn die 5 Grundvoraussetzungen sind verhältnismäßig leicht zu erfüllen. Erfurt ist eine von inzwischen 385 Fairen Handelsstädten in Deutschland, was erst mal viel klingt. Auf den Handelsumsatz selbst hat das jedoch kaum Auswirkungen, denn im Jahr 2014 kamen auf einen fair umgesetzten Euro in Deutschland 2155 Euro aus nicht fair gehandelten Produkten! Oder um es noch deutlicher auszudrücken: Im Monat gibt der Deutsche nur 1 Euro und 8 Cent für fair gehandelte Produkte aus!

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Pro-Kopf Ausgaben für fairen Handel in Europa: Deutsche geben nur 13 €/Jahr für faire Produkte aus ! (Quelle: http://www.forum-fairer-handel.de/fairer-handel/zahlen-fakten/)

Es tut also bitter Not sich mal über fairen Handel zu unterhalten, zumal die Produkte mit dem Fair-Trade-Logo einiges zu bieten haben: Sie sind nachhaltig und ökologisch produziert. Daraus folgt, dass es sich bei Fair Trade-Ware immer um BIO-Produkte handelt und darüber hinaus können die Menschen vom Lohn ihrer Arbeit tatsächlich leben. Heißt im Klartext: Klimaschutz, Armutsbekämpfung und gesunde Ernährung in einem!

„Der faire Adventsmarkt ist natürlich nur ein Schritt in die richtige Richtung, um den fairen Handel mehr ins Bewusstsein der Leute zu holen. Die Stadt geht als gutes Beispiel voran, aber letztendlich muss der Bürger, sprich der Konsument entscheiden, wo und was er einkauft.“

In Erfurt ist Josef Ahlke als Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeitsmanagment für die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit rund um das Thema Fair Trade Town zuständig und seit dem Sommer 2014, hat sich schon ein bisschen was bewegt. Einige Veranstaltungen, wie etwa den „Tag der Nachhaltigkeit“, wurden durchgeführt und Erfurt bekommt mit der Barfüßerschule am Samstag, die zweite offizielle Fair Trade Schule der Stadt. Doch das große Problem für Josef Ahlke ist, dass die finanziell, angeschlagene Stadt sämtliche Ausgaben für die Fair-Trade-Öffentlichkeitsarbeit zusammengestrichen hat. Keinen müden Euro gibt die Thüringer Landeshauptstadt derzeit dafür aus. Der Adventsmarkt wurde nur möglich, weil sich eine Reihe von Unterstützern gefunden haben, die den Markt mit privaten Geldern finanzieren. Ein Grund mehr dem Markt mal einen Besuch abzustatten.

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Josef Ahlke und Kathrin Hoyer

 

Text & Fotos: Andreas Kehrer
4.12.2015

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