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Geistigen Brandstiftern das Streichholz auspusten

Gemeinsam zusammenstehen – Für Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit. Unter diesem Motto haben sich am vergangenen Montag Vertreter zahlreicher Thüringer Parteien, Verbände, Vereine und Religionsgemeinschaften zusammengefunden und ein breites, parteiübergreifendes Bündnis gegründet. Die Ziele und Leitlinien der bereits Mitte Oktober angekündigten Organisation wurden gestern im Rahmen einer Pressekonferenz öffentlich bekannt gegeben.

Das Medieninteresse war groß und der Raum der Landespressestelle voll besetzt. Entsprechend hoch waren auch die Erwartungen. Ziel des Bündnisses ist es, ein länderübergreifendes Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass die Mehrheit der Erfurter und Thüringer Bürger sich für einen menschenfreundlichen und würdigen Umgang mit Flüchtlingen ausspricht. Fremdenfeindlichen und rechtspopulistischen Aussagen soll nun auch auf Landes- und kommunaler Ebene die Stirn geboten werden. Man wolle „den geistigen und tatsächlichen Brandstiftern das Streichholz auspusten“, so Rüdiger Bender von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Hartmut Kaczmarek, Pressesprecher der Paritätischen Buntstiftung, betonte, dass es vor allem um eine solidarische und langfristige Zusammenarbeit aller Bündnispartner gehen soll. Parteipolitische Debatten spielten dabei keine Rolle. Auch handele es sich hierbei nicht um eine Vereinigung gegen die Person Björn Höckes oder die AfD als solche, sondern gegen fehlende Mitmenschlichkeit. Für was die Bündnispartner im Einzelnen einstehen, verdeutlicht das jüngst veröffentlichte Statut:

„[…] Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger Thüringens auf, sich als Anwalt der Menschlichkeit gegenüber den Geflüchteten zu verstehen. Zugleich nehmen wir die Sorgen der Menschen in unserem Land ernst. Wir möchten dazu beitragen Ängste abzubauen, um Raum für das notwendige Gespräch zwischen verschiedenen Standpunkten zu schaffen. […] Dabei müssen sich Zivilcourage und staatliches Gewaltmonopol ergänzen. […]“

219 Mitglieder zählt das Mitmenschlichkeits-Bündnis bisher.1 Neben Einzelpersonen engagieren sich unter anderem diverse namenhafte Politiker, Vereine, landesweit arbeitende Organisationen und Verbände, sowie die Thüringer Polizeigewerkschaft und der Verband der Freiwilligen Feuerwehr. Auch die Vertreter der muslimischen, jüdischen und beider christlichen Landesgemeinden gehören zu den Gründungsmitgliedern. Lediglich die CDU hatte sich bewusst gegen einen Beitritt entschieden, zunächst aufgrund von Uneinigkeiten während der Statutformulierung. In einer späteren Stellungnahme hieß es, das Einstehen für Demokratie und Mitmenschlichkeit gehöre ohnehin zu den Leitlinien der Partei. Eine derartige Selbstverständlichkeit bedürfe nicht extra eines Bündnisses.2

Die Ausfertigung einer gemeinsamen Richtlinie sei in erster Linie stets ein Kompromiss, so Rüdiger Bender. Gerade bei einem so breiten Bündnis mit über 200 Mitgliedern. In erster Linie komme es jedoch darauf an, gemeinsam und vor allem miteinander zu arbeiten. Dies betonte auch Suleman Malik von der muslimischen Ahmadiyyah-Gemeinde. Transparenz, gegenseitige Akzeptanz und Toleranz seien die wichtigsten Bausteine für ein friedliches Miteinander. Statt übereinander, müsse man miteinander reden. Für Hass gäbe es in dieser Gesellschaft keinen Platz, so Malik. Auch für die christlichen Landesgemeinden sei es ein Gebot der Mitmenschlichkeit, Flüchtlingen zu helfen. Ordinariatsrat Winfried Weinrich verdeutlichte dies unter anderem durch das Zitieren ausgesuchter Bibelverse und die Betonung christlicher Werte. Auf die Frage der katholischen Pressevertreterin Dr. Karin Wollschläger, warum auch viele Christen sich an den Veranstaltungen von Pegida und Co. beteiligen, antwortete Weinrich verhalten.

Die erste Aktion des Bündnisses findet am 9. November auf dem Erfurter Domplatz statt. Unter dem Motto „Mitmenschlich in Thüringen“ sind neben den beteiligten Vertretern der Organisation alle interessierten Bürger dazu aufgerufen, den öffentlichen Raum zu nutzen und gemeinsam für Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit einzustehen. Eröffnet wird die Veranstaltung durch Redebeiträge politischer, religiöser, wirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Mitglieder. Aus den politischen Reihen werden Ministerpräsident Bodo Ramelow (DIE LINKE) und Landtagspräsident Christian Carius (CDU) zu den Anwesenden sprechen. Die religiösen Gemeinden werden durch den katholischen Bischof Ulrich Neymeyr, der evangelischen Landesbischöfin Ilse Junkermann, dem Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm, sowie dem muslimischen Imam Saeed Arif repräsentiert. Zusätzlich sollen mehrere Flüchtlingsfamilien und ehrenamtliche Hilfsorganisationen zu Wort kommen. Die Redebeiträge werden bewusst kurz gehalten. Eine Vielzahl an Musikacts und Informationsständen runden die Großveranstaltung ab.

Mit der Gründung des Bündnisses „Mitmenschlichkeit in Thüringen“ wurde das Fundament für ein starkes, parteiübergreifendes und öffentlichkeitswirksames Engagement geschaffen. Der Grundstein ist gelegt. Man darf gespannt sein, was zukünftig daraus entsteht.

Weitere Informationen zum Bündnis.

Text und Foto: Anna Anger

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