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„Immer die gleiche Leier!“ Multifunktionsarena wird teurer

In der Stadtratssitzung am Mittwoch beschloss die Rot-Rot-Grüne-Koalition die Aufnahme weiterer Kredite zum Bau der Multifunktionsarena. Inzwischen ist von 7 Millionen Euro Mehrkosten die Rede. Zuletzt sprach Wirtschaftsdezernentin Kathrin Hoyer gegenüber Local Times noch von höchstens 5,7 Millionen. In einer hitzigen Debatte musste sich Hoyer harsche Kritik gefallen lassen, die Opposition forderte sogar ihren Rücktritt.

Die Linke seufzt und nickt ab, die SPD schlichtet und die Grünen loben ihre Dezernentin über den sprichwörtlichen grünen Klee – auch innerhalb der Rot-Rot-Grünen-Stadtratskoalition gingen die Meinungen über Hoyers Arbeit auseinander. Trotzdem stimmten die Abgeordneten mehrheitlich den neuen Krediten zu, mit denen die Kosten für die Multifunktionsarena auf nun mehr 46 Millionen Euro anwachsen. Prof. Dr. Alexander Thumfart, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der Grünen, vertrat dabei seine ganz eigene Meinung, als er der Opposition „Dramatisierung und Hasenfüßigkeit“ vorwarf und selbst die Kosten schön rechnete:

„Wir bekommen eine großartige Multifunktionsarena für 40 Mille, die eine Attraktion und ein Gewinn für Erfurt sein wird und wir sind so kleinmütig, dass wir uns, sagen wir über 500.000 Euro Mehrkosten aufregen?“

40 Mille – ach was soll der Geiz? Kathrin Hoyer mache jedenfalls einen „klasse Job“, sagte Thumfart und herzte und umarmte seine Dezernentin zum Abschluss seiner Rede. Die hasenfüßige Opposition stand derweil auf Kriegsfuß und forderte Hoyers Rücktritt. Ein ausschweifender Michael Panse (CDU), attestierte ihr diverse, millionenschwere Fehler bei der Planung und dem Bau der Multifunktionsarena und sah für die Zukunft des Projektes schwarz:

„Wo die fachliche Kompetenz und die selbstkritische Aufarbeitung von Fehlern fehlen, werden auch weitere Fehler passieren!“

Hoyer hätte ihre Aufgabe als Beigeordnete, die zum Wohle der Bürger wirken müsse, verfehlt. Daher müsse die Dezernentin zurücktreten. Panse wörtlich: „Machen Sie diesem Treiben ein Ende!“ Ins gleiche Horn stießen die Redner der Bunten Fraktion. Thomas Kemmerich von der FDP unterstellte Hoyer, schlichtweg „überfordert“ zu sein. Daniel Stassny von den Freien Wählern erinnerte hingegen an das Jahr 2011, als im Stadtrat die ersten Diskussionen rund ums Thema geführt wurden. Damals hätte Einigkeit geherrscht, dass ein Betreiberkonzept vorliegen müsse, ehe eine Ausschreibung erfolgen könne. Ein Einwand, der angesichts der anfallenden Mehrkosten, die großen Teils auf Forderungen des designierten Betreibers Wieland Kniffka beruhen, nicht ganz unberechtigt ist. Kniffka gab seine Zusage erst, als die Ausschreibung vorbei war und wirft nun die Pläne über den Haufen.

Der einmalige Deal

Oberbürgermeister Andreas Bausewein bügelte die Argumente der Opposition mit einem „Immer die gleiche Leier“ ab und stärkte Hoyer den Rücken. Die Mehrkosten seien nun mal unvorhersehbar gewesen. Fehler beim Bau der Westtribüne im Jahr 1994, würden jetzt zusätzliche Brandschutzkosten verursachen, falsche Bestandswerte bei der Abwärme der Eishalle, die zur Beheizung der Arena verwendet werden soll, hätte auch niemand ahnen können und den Zustand von Abwasserrohren, könne auch keiner weissagen, ehe sie nicht freigelegt seien.

Allen Problemen zum Trotz, bekräftigte Bausewein, dass die Mehrkosten gestemmt werden müssten und Erfurt zu keinem anderen Zeitpunkt zu solch einem günstigen Stadion kommen könnte. Schließlich liefen die aktuellen Gespräche mit den Fördermittelgebern sehr gut und es werde möglich sein die Mehrkosten zu 87 bis 90% abdecken zu lassen, sodass nur ein kleiner Teil auf die Stadt entfiele. Das sei ein einmaliger Deal, sagte Bausewein und beschwichtigte:

„Es ist eine besondere Baumaßnahme. So eine Arena bauen wir nur alle 50, 60 Jahre.“

Eine Arena vielleicht schon, aber bis zur Buga 21, dem nächsten großen Projekt, sind es nur noch sechs Jahre. Was, wenn dann auch wieder unvorhersehbare Mehrkosten anfallen? Ein fader Beigeschmack bleibt.

 

Text: Andreas Kehrer
20.11.2015

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