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Judenhass und Syphilis Die antisemitische Zeitung "Echo Germania

Echo Germania – eine Erfurter Boulevardzeitung, die dem nationalsozialistischen Stürmer gleichkam. Der Verleger Adolf Schmalix hetzte in seinem Blatt nicht nur gegen jüdische Bürger Erfurts, sein früher Wahlerfolg im Stadtrat war ein Signalschuss für die gesamte politische Rechte der Weimarer Republik.

Der Erfurter Adolf

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Antisemitismus, der sich besonders gegen jüdische Kaufhäuser richtete. (Foto:Stadtarchiv Erfurt)

Der „Großdeutsche Freiheitsbund“ von Adolf Schmalix sorgte 1929 für eine reichsweite Sensation. Seine rechtsradikale Splitterpartei erlangte zehn Sitze im Erfurter Stadtrat. Der schnelle Erfolg seiner Wahlliste sorgte für einen raschen Untergang des herkömmlichen konservativen Parteienspektrums. Ohne es zu wissen, bereitete Schmalix mit seinem politischen Handeln den Erfolg der Nationalsozialisten in Erfurt vor. Sein „Großdeutscher Freiheitsbund“ war der Türöffner für die NSDAP. Doch wie kam es, dass die radikale Rechte in Erfurt im Vergleich zum Rest des Landes so früh, so erfolgreich war?

In den politischen Wirren nach dem Ersten Weltkrieg war Schmalix, wie der andere Adolf, auf politischer Sinnsuche. Der ehemalige Matrose strebte Anfang der 1920er Jahre eine Karriere in der SPD an. Dies scheiterte gründlich. Wie Hitler, musste er sich als politischer Redner bei beliebigen Veranstaltern seinen Lohn verdienen. Der Historiker Steffen Raßloff vermutete, dass Schmalix sich „opportunistisch umorientierte“ und der „jüdischen“ Sozialdemokratie und der Weimarer Republik die Schuld für seine erfolglose politische Karriere gab. Schmalix nahm auch am Kapp Putsch teil. Er strebte eine Aufnahme in der NSDAP an, doch eine Gerichtsverhandlung Ende 1923 kam dazwischen. Auch in den folgenden Jahren wurde ihm regelmäßig der Prozess aufgrund der „Verbreitung von Geschlechtskrankheiten“ gemacht.

Dumm, aber laut

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Adolf Schmalix (Foto: Stadtarchiv Erfurt)

Die Erfolglosigkeit brachte Adolf Schmalix nach Erfurt. Während der andere Adolf die NSDAP aufbaute, gründete Schmalix 1925 die „Echo Germania“ in der Landeshauptstadt. Darin hetzte er gegen die städtische Prominenz, gegen Juden und ausgesuchte Demokraten. Nicht nur die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten brachte ihm Anklagen ein, auch die gezielten Verleumdungen in seinem Boulevardblatt. Eine Einnahmequelle seiner Zeitung war die Erpressung von Erfurter Bürgern. Er drohte Wohlhabenden der Stadt mit inszenierten Skandalen, um sich Geldzahlungen zu erzwingen.

Adolf Schmalix agierte aggressiv und laut in der städtischen Presselandschaft. Sein Boulevardblatt „Echo Germania“ hetzte vor allem gegen jüdische Geschäftsleute. Der heutige „Anger 1“, das damalige Kaufhaus „Römischer Kaiser“, war Schmalix vorrangiges Hassobjekt. Die Echo Germania zog mit Lügen und antisemitischen Klischees über das Geschäft her. Schmalix zielte in fast jeder Ausgabe seiner Zeitung gegen vermeintliche „jüdische Warenhäuser“. Auf fruchtbaren Boden stieß er damit bei Kleinunternehmern und Einzelhändlern, die sich von den großen Kaufhäusern bedroht fühlten.  Dieser enttäuschte Erfurter Mittelstand war der Wutbürger von damals, der Schmalix Blatt kaufte und ihn schlussendlich in die Erfurter Stadtpolitik wählte.

Von der Niederlage zur Verschwörung

Die persönlichen Attacken gegen angesehene Persönlichkeiten verwehrten Schmalix den Eintritt in das Erfurter Establishment. Doch seine Weltanschauung zog geistige Verbündete an. Der Karikaturist Walter Corsep veröffentlichte im „Echo Germania“ seine antisemitischen Karikaturen. Der Zeichner war besessen von der sogenannten Dolchstoßlegende. Er gab den deutschen Juden die Schuld für die Niederlage im Ersten Weltkrieg und verbreitete dieses Gedankengut mit großer Obsession.

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Antisemitische Karikatur Walther Corseps für ein Plakat der Deutschnationalen. (Foto:Stadtarchiv Erfurt)

Corsep kämpfte seinen persönlichen Kulturkampf in Erfurt. Jahre vor der „Entarteten Kunst“ der Nationalsozialisten hetzte der Erfurter Maler gegen andere städtische Künstlergruppen. Besonders die damals junge Stilrichtung des Expressionismus hatte es ihm angetan. Die abstrakte Kunst war für den piefigen Landschaftsmaler der Inbegriff „verjudeter“ Malerei. Wie schon in der deutschen Niederlage des Ersten Weltkrieges, deutete er den Erfolg des Expressionismus antisemitisch. Die Verschwörung als Erklärungsmodell für eine Welt, die zu komplex erscheint, hatte schon im Erfurt der Weimarer Republik Konjunktur.

Doch Walther Corsep agierte nicht nur gegen die Kunst, er drückte seinen Antisemitismus auch in seinen eigenen Zeichnungen aus. Im Echo Germania und in Wahlplakaten rechter Parteien veröffentliche er judenfeindliche Karikaturen. Die Zeichnungen enthielten wenig geistreichen Witz oder politische Kritik. Die Bildsprache verarbeitete schlicht den typischen Antisemitismus der Zeit und half der Schmalixschen Zeitung, ihre Judenfeindlichkeit zu bebildern.

Protestwähler bereiteten den Weg

Der „faschistische Schmierax“ Schmalix und der Karikaturist Corsep unterhöhlten erfolgreich das Erfurter Parteienspektrums. Das Niveau war niedrig, doch die Lautstärke und plumpe Aggressivität ihrer Publikationen reichten aus, um es bis in den Stadtrat zu schaffen. In Erfurt lernte die extreme Rechte, dass man mit Pseudoargumenten und Hetzpropaganda Wahlen gewinnen kann. Für die Alteingesessenen hätte das ein Wachrütteln bedeuten können. Jedoch war es bereits zu spät, 1930 schlug die Stunde der NSDAP in Erfurt. Die Nazis entrissen dem skandalösen Querulanten Schmalix ohne Schwierigkeiten die Sitze im Stadtparlament.

Literatur: Dr. Steffen Raßloff, „Flucht in die nationale Volksgemeinschaft, 2003.

Zum Weiterlesen im Netz: www.erfurt-web.de/Flucht_in_die_nationale_Volksgemeinschaft 

Text: Armin Kung, 15.12.2015

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