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„Keinen Meter deutschen Boden“ Filmreihe über Rechtsextremismus

Seit über zehn Jahren berichten die Filmpiraten über die Aktivitäten der extrem rechten Szene. Immer wieder begeben sie sich für ihre Recherchen und Filmaufnahmen in Gefahr und geraten dabei in brenzlige Situationen zwischen Polizei und Rechtsextremisten. Die jetzt erscheinende Filmreihe „… keinen Meter deutschen Boden…“ ist eine bemerkenswerte Dokumentation über die rechte Szene in Thüringen, die sich im Jahr 2015 stärker präsentierte denn je.

Fackelmärsche, Straßenschlachten, Neonazikonzerte – da wo es unangenehm wird, sind die Filmpiraten vor Ort. Die Medienaktivisten zeigen in ihren Dokumentationen und Reportagen Bilder, die in Zeiten, in denen „Lügenpresse auf die Fresse“-Rufe normal geworden sind, äußersten Mut erfordern. Nicht selten überschreiten sie Grenzen, von denen ihnen die Polizisten vor Ort abraten: „Gehen Sie nicht weiter, wir können Sie hier nicht mehr beschützen“, heißt es dann. Drohungen, Beleidigungen, Auseinandersetzungen und Handgreiflichkeiten sind keine Seltenheit, wie Filmpirat Jan Smerdek berichtet:

Ich war 2015 so nah an der Neonaziszene dran wie noch nie. Es war nicht ungefährlich. Viele dieser Szenen, in denen ich angegriffen und beleidigt wurde, kommen in den Filmen auch vor. Es gab zwei, drei Ausnahmesituationen, die aber Gott sei dank, glimpflich ausgegangen sind.

Vor diesem Hintergrund erscheint die jetzt erscheinende, neue Filmreihe umso beeindruckender. In „… keinen Meter deutschen Boden…“ berichten die Filmpiraten über die Aktivitäten der rechten Szene im zurückliegenden Jahr 2015. Das Jahr der Flüchltingskrise, in dem sich Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte verfünffacht haben, in dem ein Rechtsruck durch Europa, durch Deutschland und durch Thüringen gegangen ist und die extrem rechte Szene im Schatten der populistischen Debatte, aktiver war denn je.

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Zusammen mit dem Mobilen Beratungsteam Mobit e.V. waren die Filmpiraten im vergangenen Jahr 36 Mal für Kameraaufnahmen unterwegs. In 20 verschiedenen Städten und Gemeinden Thüringens besuchten sie Aufmärsche, Kundgebungen und Rechtsrock-Konzerte. Sie führten Interviews mit Experten, Betroffenen, Gegendemonstranten und Politikern. Aus dem über 20 Stunden umfassenden Rohmaterial ist nun eine sechsteilige Filmreihe mit einer Gesamtspielzeit von circa 60 Minuten entstanden. Die sechs von einander unabhängigen Filme setzen sich mit verschiedenen Themenfeldern auseinander.

Ursprünglich gab es viele Ideen, welche Themen man in den Filmen behandeln könnte. Die ‚Rassistische Mobilisierung gegen Geflüchtete‘, war natürlich naheliegend, da es das bestimmende Thema im öffentlichen Diskurs war. Gleiches gilt für den Teil über die ‚Menschenfeindliche Einstellung in der Gesellschaft‘, der eine soziologische Perspektive auf die Geschehnisse gibt.“

Darüber hinaus behandeln die Filme Themen, die medial sonst weniger Beachtung finden. Moderner Antisemitismus beispielsweise, der durch die allgemeine, gesellschaftliche Ächtung und die historische Aufarbeitung zu einem Blinden Fleck in der Auseinandersetzung mit dem heutigen Rassismus geworden ist. Auch der Teil „Erlebniswelt Rechtsrock“ gibt exklusive Einblicke in eine musikalische Szene, die Abseits von Charts, Radio und Spotify stattfindet, aber gerade in Thüringen eine hohe Verbreitung genießt.

Den Filmpiraten, die 2015 mit dem Thüringer Demokratiepreis ausgezeichnet wurden, ist mit „Keinen Meter deutschen Boden“ eine bemerkenswerte Dokumentation der rechtsextremen Szene in Thüringen gelungen, die vielen Zuschauern die Augen öffnen wird. Im Vergleich zu älteren Videos ist den Filmpiraten sowohl redaktionell als auch filmisch ein großer Qualitätssprung geglückt, der zeigt, dass ein kleines, unabhängiges Filmkollektiv zu hochklassigen Dokumentationen fähig ist. Einziger Wermutstropfen, die komplette Filmreihe wird zunächst nur auf Veranstaltungen von Mobit zu sehen sein.

Es wird viele Veranstaltungen in ganz Thüringen geben, bei denen die Filme zu sehen sind. Der Anspruch von Mobit und auch von mir ist es aber, dass die Filme nicht nur konsumiert werden. Wir wollen damit auch zum Handeln anregen. Insofern ist es uns wichtig, zunächst bei den Veranstaltungen mit den Leuten darüber ins Gespräch zu kommen.“

Internet-User müssen sich noch ein wenig gedulden. Ein genaues Datum für das Netzrelease gibt es noch nicht. Erfurter und Erfurterinnen können sich hingegen auf die Premiere an diesem Donnerstag (28. April) im Johannes-Lang-Haus freuen. Der Eintritt ist frei, 18:30 Uhr geht’s los.

Text: Andreas Kehrer
26.04.2015

4 Kommentare zu “„Keinen Meter deutschen Boden“ Filmreihe über Rechtsextremismus

    1. Hallo Matthias,

      Vor Kurzem hatten wir noch die Funktion, den Text als PDF zu speichern. Allerdings hatten wir zuletzt ein paar Probleme damit. Wir arbeiten daran, das bald wieder zur Verfügung stellen zu können.

      Viele Grüße aus der LTE-Redaktion

  1. Wir würden die Filmreihe oder Teile daraus gerne im Rahmen der Präventionsarbeit in unserem Jugendcafé zeigen. Gibt es auch für Einrichtungen außerhalb Thüringens die Möglichkeit an die Filme zu kommen? Grüße aus Rheinland-Pfalz und Danke für diese wichtige Arbeit

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