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Minarett statt Kirchenturm Moschee in Marbach

Bereits seit einigen Tagen wurde über einen möglichen Moschee-Neubau in Erfurt diskutiert. Im Rahmen einer Pressekonferenz der Ahmadiyya Muslim-Gemeinde und Vertretern der Stadt Erfurt wurden am Freitag genauere Informationen dazu bekannt. Noch in diesem Jahr könnte der Spatenstich für die neue Moschee in Marbach erfolgen. 

Der Bau einer Moschee auf deutschem Boden ist an und für sich bereits ein schwieriges Thema. In Zeiten, in denen fremdenfeindliche und islamophobe Stimmen immer lauter werden, ist es jedoch von besonderer Brisanz. Entsprechend groß war das Medieninteresse und der Konferenzraum in Marbach bis auf den letzten Platz besetzt. Oberbürgermeister Andreas Bausewein eröffnete mit klaren Worten. Es sei Zeit, offene Fragen zu klären und Mutmaßungen transparent entgegen zu treten. Dass dies im Rahmen einer Presse-konferenz und nicht in einer Bürgerversammlung passiere, begründete Bausewein mit der fehlenden Notwendigkeit. Für den Bau einer Kirche oder Synagoge werde ja auch keine solche Versammlung abgehalten, so Bausewein. Der Bundesvorstand der Ahmadiyya-Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, gab zu bedenken, dass es schwierig sei, die Bevölkerung umfassend in Kenntnis zu setzen. Jedoch habe es bereits frühzeitig Gespräche mit Vertretern der Stadt, Religionsgruppen und Fraktionen sowie dem Marbacher Ortsbeirat gegeben, um über das geplante Bauvorhaben zu informieren.

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Nach einer kurzen Vorstellung der Ahmadiyya-Gemeinde durch Herrn Wagishauser sowie den Erfurter Gemeindesprecher Suleman Malik und einen 18-minütigen Film, welcher unter anderem das gesellschaftliche Engagement der Mitglieder in Deutschland aufzeigte, wurde das eigentliche Bauprojekt präsentiert. Der Entwurf ist schlicht und entspricht der Fläche eines Zweifamilienhauses. Ein elf Meter hohes Zierminarett und eine Kuppel charakterisieren das geplante Gebäude, in dem bis zu 100 Gläubige Platz finden sollen. Bis jetzt versammeln und beten die rund 30 Mitglieder der Erfurter Gemeinde in Privaträumen. Zum Freitagsgebet und für Festlichkeiten müssen extra Räumlichkeiten gemietet werden. Der Bedarf an einem eigenen Gebetshaus sei sehr groß, betonte Suleman Malik.

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Herr Wagishauser, Bundesvorstand der Ahmadiyya Gemeinde

Der zukünftige Standort ist nicht ausgesucht. Ein Grundstück für den Bau einer Moschee zu finden, sei genauso schwierig, als wolle man ein Atomkraftwerk bauen, gab Wagishauser zu bedenken und antwortete damit auf die Kritik einiger Marbacher, warum gerade in ihrem Ortsteil gebaut werden solle. Neben Einschränkungen bei den Bauvorschriften gäbe es laut Wagishauser nur wenige Grundstücke, auf denen sich das Vorhaben realisieren lasse. Letztendlich sei die Wahl auf die 1800m² größe Fläche im Südosten Marbachs, direkt an der Bundesstraße B4 gefallen. Fernab der Wohnbereiche soll hier ein zweigeteilter, bescheidener Gebets- und Begegnungsort entstehen, der allen Menschen offen steht. Die Kosten von etwa 450.000€ für Grundstück und Moschee werden durch bundesweite Spenden innerhalb der Gemeinde getragen. Bisher habe die Ahmadiyya lediglich eine Bauvoranfrage eingereicht, die zunächst durch das Bauamt geprüft werden muss. Erst danach sei ein konkretes Vorgehen möglich, so Wagishauser. Die Grundsteinlegung könnte aber noch in diesem Jahr erfolgen.

Oberbürgermeister Andreas Bausewein beschrieb die Ahmadiyya als offene und sich integrierende Gemeinde. Auch Abdullah Uwe Wagishauser betonte, dass es sich bei der Ahmadiyya um eine loyale, gesetzestreue Gemeinde handele, die sich zu den Werten und der Kultur Deutschlands bekenne. Die Mitglieder möchten sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und keine Parallelgemeinschaft bilden. Trotzdem ist das Misstrauen gegenüber dem Islam und den Gemeindemitgliedern zweifellos vorhanden. In Deutschland eine Moschee zu bauen, führe immer zu Kritik und Konflikten, so Wagishauser. Im Gegensatz zu Gebetshäusern der christlichen und jüdischen Religionen stellt eine Moschee für viele Menschen etwas Neues dar. Dies erzeuge erst einmal Angst.

Auch die Marbacher befürchten vor und nach dem Bau einer Moschee in ihrem Ort Demonstrationen und Widerstand, sagte die Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke. „Wir möchten damit nicht alleine gelassen werden.“ Um offene Fragen zu klären, soll es schnellstmöglich eine Bürgerversammlung geben. Böhlke betonte die Wichtigkeit, alle Anwohner aktiv mit einzubeziehen und zu informieren. Nicht alle Marbacher stehen dem Bauvorhaben positiv gegenüber. „Wenn wir die Marbacher nicht beteiligen, entsteht eine negative Atmosphäre, die wir selbst verursacht haben“, so die Ortsteilbürgermeisterin. Es müsse transparent und offen gearbeitet werden.

Wie zu Erwarten gab es aus den Reihen der AfD Kritik am Bauvorhaben. So stelle die architektonische Umsetzung der Moschee mit Kuppel und Minarett einen deutlichen Bruch mit thüringischen Traditionen dar, erklärte Stefan Möller, parlamentarischer Geschäftsführer der Partei. Erst vor Kurzem hatte sich die Bundes-AfD auf ihrem Parteitag ein islamfeindliches Programm gegeben.

Text und Fotos: Anna Anger
14.05.2016

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