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Mit den Enten gegen den Strom Mode aus Erfurt

Watschliger Entengang statt Catwalk. In Erfurt – dem Entenhausen an der Gera – probt ein kleines Modelabel den Aufstand. Mit qualitativ hochwertigen und kunstvoll gestalteten Shirts schwimmt naaknaak gegen den Strom.

Es ist kein Geheimnis, dass Kleidung eine Menge über die Menschen verrät. Öfter als wir vielleicht glauben, tragen wir unseren Lebensstil und unseren Charakter zur Schau. Mit unserer Kleidung setzen wir politische Statements, zeigen Zugehörigkeiten oder Abneigungen. Kleidung ist öffentlichkeitswirksam und erzeugt, ganz gleich ob gewollt oder ungewollt, ein bestimmtes Bild bei unserem Gegenüber. Das führt bisweilen zu Missverständnissen und Vorurteilen, selbst wenn es sich dabei um eine völlig unpolitische Outdoor-Marke mit Wolfstatzen-Logo handelt:

Jack Wolfskin, so ne blöde Marke! Alle Jacken sehen da gleich aus und haben noch diese olle Tatze drauf. Das hat mich damals, als dieser Trend los ging, total gestört. ‚Da kann man genauso gut Enten draufkleben und das ganz Naaknaak nennen‘, dachte ich damals. Und irgendwie hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen.“

erzählt Jennifer Kunze, die mit ihrem eigenen, kleinen Label den Kampf gegen die modische Gleichförmigkeit der Masse aufgenommen hat. Im thüringischen Entenhausen kreiert sie „quiet irony clothes“ unter dem Markennamen naaknaak. Die Ironie ihrer Kleidung steckt in den Motiven, die auf den ersten Blick schick aussehen, beim genaueren Hinsehen aber eine tiefere Bedeutung haben. Das „Stars and Spaceman“-Motiv beispielsweise, das auf der Vorderseite des Shirts einen Astronauten zeigt, der an einem Kabel durchs All trudelt. Doch anstatt an einer Raumstation befestigt zu sein, führt das Kabel auf der Rückseite des Shirts direkt in den Computer eines Gamers.

Vor drei Jahren begann Jennifer ihre selbst entworfenen Motive aufs Textil zu bringen und ihre Kollektion über Online-Portale zu verkaufen. Das klappte so gut, dass die gelernte Betriebswirtin beschloss, die Idee vom eigenen Modelabel weiter zu verfolgen. Neben ihrem eigentlichen Job, richtete sie sich ein Heimbüro ein, erarbeitete neue Motive, überlegte sich ein Marketingkonzept und suchte Produktionstechniken, die ihren hohen Ansprüchen genügten. Denn eins war klar: naaknaak sollte auf keinen Fall zur Massenware werden.

Jedes Stück ein Kunstwerk

Genau wie die Erfurter Label Antey und Heymkinder setzt auch naaknaak auf den Trend zum Individualismus und zum bewussten Qualitätskauf. Insbesondere die Wende-Generation im Osten, die zwar im Massenkonsum aufgewachsen ist, durch ihre Eltern jedoch vorkapitalistisch sozialisiert wurde, hat hohe Ansprüche.

Ich glaube meine Generation, also die End-Zwanziger bis Anfang Dreißiger, sind eine Generation, die sich kritische Gedanken macht und bewusster konsumiert. Fair Trade und Bio sind für uns ein wichtiges Qualitätsmerkmal.“

meint Jennifer. Auf ihren Preisschildern heißt es daher auch: „naaknaak ist bio, fair und entenflauschig“. Die Besonderheit an naaknaak sind jedoch die Produktionstechniken. Denn auch wenn Jennifer ihre Motive mehrfach verwendet, werden diese in Handarbeit aufs Shirt gebracht. Dabei arbeitet sie mit aufwendigen und feingliedrigen Flockdrucken oder mit dem Inkodye – Immulsionsverfahren, das mit Sonnenlicht funktioniert. Produktionszeiten von zwei oder drei Stunden für ein einziges Shirt sind keine Seltenheit und machen jedes naaknaak-Produkt zu einem kleinen Kunstwerk. Einem Kunstwerk, das sich lohnt, genauer zu betrachten.

Am Anfang steht natürlich die Bildidee, die Jennifer per Hand zu Papier bringt. Nach der Digitalisierung verpasst sie dem Motiv am Computer den letzten Schliff und verwandelt es in eine Vektorgrafik. Mithilfe eines Schneidplotters entstehen daraus schließlich Druckschablonen aus Flockfolie, die fein säuberlich per Hand entgittert werden müssen. Je nachdem wie komplex das Motiv ist, dauert allein dieser Schritt schon mal 15 bis 60 Minuten. Als nächstes geht es ans Setzen, was ebenfalls von Motiv zu Motiv unterschiedlich aufwendig ist. Kleinteilige Werke, wie etwa der naaknaak-Panzer, der aus vielen kleinen Entlein besteht, dauern besonders lange und verlangen ein hohes Maß an Fingerfertigkeit. Mit dem letzten Arbeitsschritt geht es in die Heißpresse, die bei 160 bis 170 Grad Celsius das Flockmuster aufs Textil bringt.

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Gegen den Strom

Das Resultat sind hochwertige und kunstvoll gestaltete Textilien, die allerdings auch ihren Preis haben. Zwischen 25 und 45 Euro kostet beispielsweise ein naaknaak-Shirt. Damit ist die Marke ein vielfaches teurer als die Stangenware von H&M, aber eben ach langlebiger und exklusiver. „Die Hauptinvestition, die ich habe, ist Zeit“, sagt Jennifer. Jedes naaknaak-Produkt ist daher mit einem Schild versehen, auf dem die Produktionszeit angegeben ist. „Erst wenn die Leute verstehen, wie viel Arbeit in meinen Sachen steckt, sind sie auch bereit dafür einen höheren Preis zu zahlen.“

Neben dem Online-Vertrieb, erobert Jennifer jetzt auch den analogen Markt. Der erste Laden in Erfurt, der naaknaak-Produkte führt, ist Mrs. Hippie in der Regierungsstraße. Weitere Läden sollen folgen, allerdings gelten auch hier hohe Qualitätsansprüche:

Meine Sachen sind aus Biobaumwolle, sind fair gehandelt und haben einen künstlerischen Anspruch. Es ist also klar, dass ich mit naaknaak nicht in jedem beliebigen Laden hängen möchte. Ich brauche Läden die zur Marke passen und Verkäufer, die voll dahinter stehen.

Das Konzept scheint aufzugehen. Im Mrs. Hippie waren die Shirts nach einigen Tagen schon vergriffen und immer öfter kommen Online-Bestellungen rein. „Der Traum wäre es natürlich, davon leben zu können“, sagt Jennifer, aber das sei noch ein weiter Weg. Fürs Erste sei es schon ein großer Erfolg, dass die Leute die Marke so gut annehmen würden. Apropos… was sind das eigentlich für Leute die naaknaak tragen? „Das sind Leute, die gern mal gegen den Strom schwimmen“, sagt Jennifer lachend. „Und welche, die flauschige Enten süß finden!“

Text und Fotos: Andreas Kehrer
06.07.2016

Achtung Verlosung!

Wir verlosen ein naaknaak Pusteblumen-Shirt und einen Drogenring-Jutebeutel unter allen Leuten die hier, auf Twitter oder im Facebook diesen Artikel teilen oder kommentieren. Beachtet eure Privatsphäre-Einstellungen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Verlosung steht in keiner Verbindung zu Facebook oder Twitter und läuft bis zum 13. Juli 2016. Viel Glück 🙂

 

2 Kommentare zu “Mit den Enten gegen den Strom Mode aus Erfurt

  1. Tolle Sache! Beutel und Shirt gefallen mir gut. Gut gefällt mir auch der Blog. Schön als Exil-Erfurter auch auf dem neuesten Stand „zu Hause“ zu bleiben.

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