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Pauken ohne Verpflichtung

Die Anwesenheitspflicht ist passé! Diese äußerst erfreuliche Nachricht erreichte die Erfurter Uni-Studenten gestern morgen über ihre Email-Postfächer.

Der Präsident der Universität Erfurt, Walter Bauer-Wabnegg, verkündete höchstpersönlich, dass ab sofort die vieldiskutierte Anwesenheitspflicht für alle Studierenden der Thüringer Hochschulen nur noch in Ausnahmefällen Anwendung findet. Das Thüringer Landesministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Digitale Gesellschaft habe sich aufgrund einer studentischen Initiative der Frage der Anwesenheitsverpflichtung angenommen und für „rechtsaufsichtig“ erklärt.

Studenten der Uni Erfurt kritisierten seit Längerem die Zulässigkeit einer solchen Verpflichtung, zuletzt befragten einige von ihnen Wolfgang Tiefensee, landesregierender Wirtschafts- und Wissenschaftsminister (SPD), bei seinem Besuch auf dem Erfurter Uni-Campus zu diesem Thema. Nun gab es schließlich für alle Hochschulangehörigen das offizielle „Okay“ seitens des Präsidiums: alle Lehrtätigen sollen die Studenten in ihren Veranstaltungen von ihrer Präsenzpflicht befreien.

Ausnahmen bilden Fälle, in denen seminargebundene Lernerfolge nur während der Teilnahme erzielt werden können, zum Beispiel bei Experimenten im Labor.
Die Uni bemüht sich derzeit um eine entsprechende Anpassung der neuen Regel an die bestehenden Studien- und Prüfungsordnungen.

Zuvor war es im Studienalltag üblich, den regelmäßigen Besuch der Studenten zu dokumentieren, die Teilnahme an zum Teil nicht prüfungsrelevanten Sitzungen war eine Art „Zwang“. So wurden Unterschriftenlisten verteilt oder sogar die Anwesenheit mündlich durch Handzeichen abgefragt. Derartige „Bildungsmaßnahmen“ erinnerten stark an autoritäre Vorstellungen von Pädagogik. Fehlte nur noch ein im Chor aufgesagtes „Immer bereit“ zur Begrüßung des Lehrapparats.

Offensichtlich handelt es sich bei der jetzt bekanntgebenden Regel um keine Neuerung, denn das Thüringer Hochschulgesetz weist bereits auf diese Freizügigkeit hin, was das bisherige Bestehen der Präsenzpflicht noch unglaubwürdiger erscheinen lässt. Dennoch war sie laut Wissenschaftsministerium „ein Eingriff in die landeshochschulrechtlich garantierte Studier- und Lernfreiheit“.

Mit der Abschaffung der Anwesenheitspflicht bestärkt das Ministerium den ursprünglichen Gedanken des Studiums, das die individuellen Interessen und Schwerpunkte der Studenten betont und Seminare als akademische Angebote zur Reflexion und Diskussion der eigenen Inhalte versteht.

Es bleibt den Erfurter Studierenden in diesem humanistischen Sinne einen guten Start ins Sommersemester zu wünschen, die sich jetzt legal und während der Veranstaltungszeiten, auf der Campuswiese ihrem Selbststudium widmen können.

 

Autor: FG

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