farbraum

Platz da! Mehr Raum für Subkultur Galerie-Neueröffnung in der Johannesstraße

Gejammer um fehlende Subkultur in Erfurt gibt es ausreichend. Zu wenig und zu selten könne man sich alternativen Kunstformen widmen. Ausgehmöglichkeiten abseits vom Mainstream seien Mangelware. Die Brüder Lukas und Klarke Krause wollen Abhilfe schaffen: gemeinsam mit ihrem Verein „Snokksen“ erwecken sie das innerstädtische Kulturangebot zu neuem Leben.

Spaß an der Zusammenarbeit und die Vorfreude auf die Neueröffnung steht den beiden Krauses ins Gesicht geschrieben. Heiter lachend und stets feixend machen sich die Brüder an die letzten Vorbereitungen für die Vernissage. Einiges sei noch zu tun, der grau glänzende, frisch angestrichene Boden zeugt bereits von der Schaffenskraft der vergangenen Tage.

Die neueröffnete Ausstellungsfläche in der Johannesstraße hört derzeit noch auf den Namen „Farbraum 17a“. Dies ist das Label, unter dem bereits stattgefundene Events in den Erdgeschossräumen des Altbaus bisher stattfanden. Im leerstehenden Geschäft und im Hinterhof gab es seit Jahresbeginn schon mehrere Ausstellungen testweise zu bewundern. Beispielsweise der gutbesuchte „Fotosommer“. Außerdem präsentierte Lukas, der Ältere von beiden Brüdern, im Januar seine Bachelor-Arbeit „Kaffhausen“ in der ihm zur Verfügung stehenden Freifläche. Um ein größeres Publikum anzusprechen, finden Veranstaltungen wie diese ab sofort in dem seit Jahren leerstehenden Laden, an der Frontseite der Straße statt.

Als studierter Mediengestalter gilt Lukas‘ künstlerisches Interesse der Fotografie. Der 26-Jährige fungiert zudem als Kurator für das gesamte Kunstprojekt:

„Wir haben die Möglichkeit, diesen Raum für eigene Konzepte zu nutzen. Hier wollen wir Menschen zusammenbringen und noch viele weitere schöne Abende gestalten. Durch die Mischung mehrerer Kunstformen sollen neue, alternative Anreize geschaffen werden und zur Kreativität anregen. Ein kommerzielles Interesse verfolgen wir nicht“.

„Wir haben die wahnsinnig angenehme Freiheit, Raum für Leute wie mich zu schaffen. Am Wochenende gibt es in Erfurt zu wenig coole Angebote für Alternative. Mit der Galerie wollen wir eine charmante Lösung für Gleichgesinnte gestalten“, wirft sein Bruder Klarke ein. „Erfurts Kunsthäuser und Museen wirken irgendwie recht schnöselig und totgelebt. Nun soll die tatsächliche reelle Straßenkultur abseits von Konsum und Gentrifizierung Raum bekommen“, ergänzt der redselige Erfurter.

Großen Wert legen die jungen Kunstliebhaber auf die Vermischung mehrerer Darstellungsformen. Neben ausgestellten Exponaten aus der Grafischen wie Bildenden Kunst, sollen andere Produktionen nicht zur Nebensache gehören. Allem „was ins Konzept passt“ soll von nun an eine Bühne in der renovierten Freifläche geboten sein. Musikalische Darbietungen, vorrangig am Plattenteller, stehen ebenso im Fokus des Gesamtkonzeptes. Klarke ist selbst DJ und Produzent, dahingehend rührt sein Wunsch nach „guter Schallplattenunterhaltung“ fernab des Techno-Mainstreams. Anders, flexibel und bescheiden sein, haben sich die Veranstalter auf die Fahne geschrieben. Der Verein „Snokksen“ bildet die Basis für die Neuschöpfung eines Ortes, an dem Subkultur nichts kosten und für jedermann zugänglich sein soll. Die Initiative zählt inzwischen acht Mitglieder, hinzukommt ein breites Netzwerk von Helfern und Künstlern aus der Region.

Auftakt zur Wiederbelebung der Erfurter Subkultur bietet heute Abend (7.11.) die Vernissage von der Weimarer Fotografin Domenique la Police. Mit „Parallelwelten“ präsentiert die Künstlerin neue Perspektiven und Wahrnehmungen, indem sie mit dem grafischen Prinzip der Spiegelung rum experimentierte. Ab 20 Uhr stehen die Ladentüren in der Johannesstraße offen, um sich bei Fotokunst, Schallplatten-Musik und Kaltgetränk zu amüsieren.

 

Foto und Text: Franziska Gutt.

 

 

 

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