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Stadion gar nicht so viel teurer? Multifunktionsarena

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass die Multifunktionsarena rund 5,7 Millionen Euro teurer werden würde, als bisher angenommen. Die Gesamtkosten würden damit auf rund 45 Millionen steigen. Für Erfurt entstünden Mehrkosten von 735.000 Euro, die der Stadtrat im November genehmigen soll. Wirtschaftsdezernentin Kathrin Hoyer musste sich darauf hin harsche Kritik von der Presse und den Stadträten gefallen lassen. Einige forderten sogar ihren Rücktritt. Im Interview mit Local Times verteidigte sich Hoyer und fühlt sich von den Zeitungen und Stadträten missverstanden.

Zuletzt wurde bekannt, dass die Multifunktionsarena teurer wird als bisher. Von 5,7 Millionen Euro ist die Rede. Was ist da dran?

Es ist noch gar nicht klar, ob die Kosten tatsächlich um 5,7 Millionen steigen. Wir haben eine grobe Schätzung vorgenommen, was bis zum Ende des Projektes auf uns zukommen kann. Die Schätzungen beinhalten auch Dinge, die nicht zwingend notwendig wären.

Sie sprechen von „Schätzungen“, was mich verwundert, wenn ich mir die Berichte der Zeitungen und die Reaktionen mancher Stadträte anschaue. Da klingt es so, als seien diese Kosten fix. Ist es am Ende gar nicht so wild, wie berichtet wird?

Kathrin Hoyer
Kathrin Hoyer (Foto: Stadtverwaltung)

Ich werde jetzt nicht kommentieren, was und wie gut oder schlecht andere Medien berichtet haben. Den Stadträten gegenüber haben wir immer gesagt, dass das unsere Worst­-Case-­Schätzung ist. Klar sind da Sachen dabei die genehmigungsrelevant sind und gezahlt werden müssen, aber einige sind nur wichtig, wenn das Ergebnis gut werden soll und einige Sachen sind lediglich wünschenswert. Warum das auch von den Stadträten so nicht kommuniziert wurde, kann ich nicht beurteilen.

Einige Sachen seien wünschenswert, sagen Sie. Da liegt es nahe, dass auch Herr Kniffka, als Chef der Betreibergesellschaft, mit einigen Forderungen zu den 5,7 Millionen Euro beigetragen hat?

Ich will mal nicht sagen Forderungen. Wir sind in Absprache mit der Betreibergesellschaft und mit Herrn Kniffka und überlegen gemeinsam, welche Ausstattungen noch wünschenswert wären. Natürlich sind auch solche Sachen in die 5,7 Millionen Euro eingeflossen. Das heißt aber nicht, dass es Forderungen sind, die zwingend erfüllt werden müssen.

Es heißt, Mehrausgaben beim Brandschutz, bei der Beheizung und Planungsverzögerungen seien für den Kostenanstieg maßgeblich verantwortlich. Was schlägt sonst noch bei den 5,7 Millionen Euro zu Buche?

Da sind manche Sachen inbegriffen, die noch gar nicht beziffert sind, wo wir es aber für sinnvoll gehalten haben, vorsichtshalber 500.000 Euro mit einzukalkulieren, weil wir denken, dass da noch was dazukommen könnte. Es ging nicht, um Verzögerung durch Planung, sondern tatsächlich um den Brandschutz der Westtribüne. Die Westtribüne ist von Anfang an kein Bestandteil des Fördervorhabens gewesen und war deshalb auch nicht in die Planungen einbezogen worden. Erst jetzt, hat ein Prüfingenieur festgestellt, dass wir da noch was machen müssen. Ein Faktor ist auch der Zustand der Entwässerungsrohre, der schlechter war, als erwartet. Bei der Abwärme der Eishalle hingegen, die zur Beheizung der Arena beitragen soll, waren ursprünglich andere Werte prognostiziert worden, als wir jetzt vorfinden. Es ist also deutlich weniger Wärme verfügbar.

Gerade die Wärmekalkulation wurde ja von Daniel Stassny von den Freien Wählern beanstandet. In seiner Pressemitteilung heißt es: “Bei jedem Bauprojekt, ob Einfamiliehaus oder Kongresszentrum, gehört die Berechnung des Wärmebedarfs zu den elementaren Planungen.“

Wir haben den Wärmebedarf berechnet und wir wissen auch, wie viel Wärme wir brauchen. Wir wollten diesen Bedarf jedoch durch die Abwärme der Eishalle decken und haben jetzt festgestellt, dass da weniger Wärme vorhanden ist, als in den Bestandsunterlagen aufgeführt war.

Also wurden keine Messungen durchgeführt, sondern Sie haben auf die Unterlagen vertraut?

Wenn sie Bestandsunterlagen haben, dann vertrauen sie denen und prüfen nicht noch mal alles nach. Sonst verursachen sie im Vorfeld Millionen Euro Planungskosten und wenn dann die Arena zum Beispiel nicht im Stadtrat beschlossen worden wäre und wir keinen Umbau vorgenommen hätten, dann wäre diese Geld für nichts und wieder nichts verbrannt worden.

Sie haben erst gesagt, dass die Medien da viel falsch transportiert haben…

(unterbricht)… Vielleicht ist es auch bewusst falsch an die Medien gegeben worden.

Aber Sie sind in der TA doch auch zitiert worden?

Ich wurde auch zitiert, aber eben nicht in aller Umfänglichkeit. Deswegen reden wir ja jetzt miteinander.

Also glauben Sie, dass Sie keine Fehler gemacht haben?

Nein, das hab ich auch nie behauptet und das würde ich so auch nie sagen. Das ist ein riesiger Sonderbau, der so nirgends bisher gebaut wurde. Natürlich passieren da Fehler. Da passieren Fehler, die ich zu verantworten habe oder die in meinem Geschäftsbereich begangen werden. Wo Menschen arbeiten, entstehen Fehler… Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, werfe den ersten Stein.

Das Ganze ist ja so brisant, weil das Projekt schon vor dem Beschluss unter keinen gutem Stern stand. Links wie Rechts wollten die Arena eigentlich gar nicht, aber Bausewein hat sie mit Hilfe der Koalition durchgedrückt. Insofern wiegt es jetzt besonders schwer, wenn das Stadion teurer wird.

Das sehe ich ganz genauso. Die Diskussion, die jetzt geführt wird, ist aber nicht an einem fachlichen und sachlichen Erfolg orientiert, sondern an einer politischen Debatte. Ich würde solche Großprojekte immer über einen Bürgerentscheid regeln, denn dann hätten Sie diese Diskussion jetzt auch nicht. Aber das lag nicht in meiner Entscheidung.

Von den Mehrkosten könnten bis zu 735.000 Euro auf die Stadt entfallen. Da stellt sich die natürlich die Frage: Wo soll das Geld herkommen im knappen Haushalt?

Wir müssten das Kreditvolumen erhöhen und das müsste innerhalb der Laufzeit erwirtschaftet werden, durch den Betrieb und durch die Betreibergesellschaft.

Abschließende Frage, wenn die 5,7 Millionen Euro das Worst­-Case­-Szenario sind, dann heißt das doch, dass das Thema damit dann durch ist. Insgesamt liegen wir dann bei ca 45 Millionen für die Arena und das Ding steht dann aber auch definitiv. Oder?

Ach Herr Kehrer, wenn Sie eine Glaskugel auf dem Tisch haben, dann komm ich mal zu Ihnen und dann schauen wir da mal gemeinsam rein… Das Projekt läuft noch ein Jahr und die Sanierungen sind jetzt in der Planung durch. Was jetzt noch kommt ist der Neubau und da dürften sich die Überraschungen in Grenzen halten.

Hoffen wir es mal. Vielen Dank für das Gespräch!

 

Interview: Andreas Kehrer, Foto: Franziska Gutt

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