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Studentenfutter statt Popcorn Hochschulgruppe "Filmsalon"

Nach der Vorlesung ist vor der Filmvorführung. Jeden Mittwoch können filminteressierte Studenten im modernisierten Unicafè „Hörsaal 7“ einen Kinoabend im Salonstil genießen. Ob Blockbuster oder Arthouse, der „Filmsalon“ bewährt sich als studentische Alternative zum innerstädtischen Multiplex-Riesen.

Wenn nach einem langen Unitag in den Lehrgebäuden das Licht erlischt, rollt die ehemalige „Campusklause“ ihre Leinwand aus und öffnet ihre Kinopforte. Die Hochschulgruppe „Filmsalon“  lädt immer mittwochs zur gemeinsamen Filmschau mit anschließender Gesprächsrunde in den „Hörsaal 7“. Ob Mainstream oder Programmkino, in gemütlicher Atmosphäre und zu unschlagbar günstigem Eintritt (1,50 Euro) können filmbegeisterte Studenten mit Getränken und Snacks zur Hand, den Abend ausklingen lassen.

Tobias Lebens, BA-Student der Kommunikationswissenschaften, ist seit knapp einem Jahr im Unikino-Projekt aktiv. Der 24-Jährige bezeichnet sich als leidenschaftlicher Berlinale-Fan, liebt ernsthafte, „sozialreale“ Dramen und betont, man müsse kein Kenner sein um selbst beim „Filmsalon“ mitzumachen.

„Unsere Hochschulgruppe ist eine lockere Angelegenheit. Die einzige Anforderung um bei uns mitzumachen, heißt Lust und Interesse zu haben, gemeinsame Kinoabende zu veranstalten, Filme anzugucken und zu besprechen. Dafür muss man kein Cineast aus Leidenschaft sein.“

Bundesweite Hörsaalkinos von Unifilm

Dank des vor anderthalb Jahren gegründeten Unikinos ist neben dem städtischen Angebot Filmvergnügen in kleiner, feiner Salonatmosphäre möglich. Faire Eintrittspreise, günstige Getränke und Snacks von der Bar. Die Hochschulgruppe ist nicht auf Profit aus. „Hinter dem Projekt steht der Deal mit der Agentur Unifilm, mit der wir seit Beginn zusammenarbeiten. Sie schickt uns alles was wir für die Abende brauchen, ob Plakate, Eintrittskarten und schließlich auch die Filme. Das technische Material stellt die Unitechnik vor Ort. Das Barpersonal bleibt mittwochs extra für uns länger hier. Wir sind also von vielen abhängig und deswegen dankbar, dass alles so unkompliziert läuft“, erklärt Tobias. Der Filmverleih „Unifilm“ unterstützt achtzig weitere sogenannte Hörsaalkinos in ganz Deutschland. Aus dem riesigen Repertoire an Filmtiteln können die lokalen Kinoklubs selbst ihr Programm fürs Semester wählen. „Unifilm“ sorgt für den Film, das professionelle Drumherum und kassiert den Großteil der Einnahmen.

Dem „Filmsalon“ an der Uni Erfurt gelingt es jede Woche, ein zusätzliches Rahmenprogramm zum Film auf die Beine zu stellen. Das bedeutet neben der reinen Filmvorführung bieten die Studenten inhaltlichen Zusatzstoff: „Wir überlegen uns im Vorfeld eine thematische Einführung, moderieren den Film an und geben Hintergrundinfos zum Regisseur oder künstlerischen Kontext des Filmes“, erzählt Tobias weiter. „Außerdem veranstalten wir ein Zitate-Rätsel, geben Bewertungskarten ins Publikum und laden zur nachfolgenden Diskussion ein“. Das Rahmenprogramm erklärt, warum der „Filmsalon“ mehr als gemütlichen Vorführungsplatz bietet, sondern ebenso eine intellektuelle Begegnungsstätte ist. Reines Eventkino mit Popcorn und Bier ist nicht im Sinn der Veranstalter. Ins Gespräch kommen ist hier mehr als erwünscht.

Andrang und Einlass-Stopp

Doch das alternative Studentenkino zeigt nicht ausschließlich B-Movies und Arthouse, auch Hollywood lässt regelmäßig grüßen. Vor etwa einem Jahr, zu Kassenschlagern wie „Grand Budapest Hotel“ und „Django Unchained“ kamen über hundert Studierende. Die Initiatoren mussten nicht selten einen Einlass-Stopp verhängen.

„Trotzdem können wir nie voraussehen, wie viel Publikum am Abend kommt. Zum Blockbuster ‚In time‘ waren letztens unter zwanzig Leute da. Bei dem deutschen Film ‚Gegen die Wand‘ kamen wiederum mehr als vierzig Zuschauer. Das ist wirklich unterschiedlich“,
erklärt Tobias.

Fakt sei, dass das neue Café als Veranstaltungsort anfangs eine Welle der Euphorie auslöste. Anders als die anfänglichen Vorführungen im richtigen Hörsaal. Dort überwogen technische Probleme und Kinofeeling wollte nicht so recht aufkommen. In den nächsten Wochen laufen u.a. „2046“ von Wong Kar-Wai (16.12.2015) und „Victoria“ von Sebastian Schipper (27.01.2016), beides Produktionen die Tobias wärmstens empfiehlt.
Die nächste Salon-Vorstellung ist am 16. Dezember um 19.45 Uhr.

Text und Foto: Franziska Gutt, 07.12.2015

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