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Wo Ideen laufen lernen Die Werft 34

Im Sommer 2016 geht ein bemerkenswertes, soziokulturelles Projekt zu Ende: „Die Werft 34“. Drei Jahre lang hat der Plattform e.V. im Rahmen des Projektes Ideen von jungen, kreativen Leuten begleitet und gefördert, mit dem Ziel sie für die Zukunft tragfähig zu machen. Die Werft stellte den neun Gründen-Initiativen Arbeitsräume, ein kleines Startkapital und vor allem das notwendige Know-How zur Verfügung. Zeit für ein erstes Fazit und einen Ausblick über den nächsten Sommer hinaus.

„Empowerment“ ist eines von Rikes Lieblingsworten, wenn sie über die Absichten der Werft 34 spricht. Es bedeutet so viel wie „Ermächtigung“ oder „Befähigung“. Rike bildet mit diesem Wort Sätze wie: „Wir wollen junge, kreative Leute empowern, ihre Ideen auf unternehmerische Füße zu stellen, damit sie die Welt auch nachhaltig mitgestalten und verbessern können.“

Ideen lernen laufen

Friederike Günther, die von allen liebevoll Rike genannt wird, ist eines der drei Crewmitglieder der Werft 34 und für die Bereiche Netzwerk und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Unterstützt wird sie dabei von Steffen Präger (Projektleitung) und Martin Arnold-Schaarschmidt (Training&Beratung). Zusammen haben sie in den letzten zweieinhalb Jahren neun Gründer-Initiativen auf die Beine geholfen und einige davon haben sogar schon das Laufen gelernt. Der Spirit of Football e.V. zum Beispiel, der inzwischen über die Grenzen Deutschlands hinaus Bildungsarbeit mit der „Weltsprache Fußball“ betreibt.

Anderen Initiativen hat die Werft 34 ein Zuhause gegeben: Den Filmpiraten zum Beispiel, die schon seit 10 Jahren aktiv sind, aber erst über das Werft-Projekt ein eigenes Büro in der Saline 34 beziehen konnten. Überhaupt hat die Werft öfter ihre Finger im Spiel, als man denkt: Vielleicht habt ihr schon mal durch das Hant-Fotomagazin geblättert oder euch sind Einradfahrer in der Erfurter Innenstadt aufgefallen? Auch der Künstler Veit Gossler, über den Local Times jüngst berichtete, wird von der Werft unterstützt.

Raum gewinnen, Netzwerke bilden, Gründen

Hervorgegangen ist die Werft ist aus dem Ladebalken, einem Projekt das ebenfalls durch den Plattform e.V. getragen wurde und kreative Ideen mit kleinen Geldbeträgen supportete.

„Mit dem Ladebalken hatten wir schon jungen Leuten die Chance gegeben, ihre Ideen zu verwirklichen und viele von denen, haben immer weiter gemacht. Sie haben dann noch ein Projekt nachgeschoben und noch eins und haben dann sogar Vereine gegründet, die dann wieder Räume brauchten. An dem Punkt setzte die Werft an.“

Die Werft steht auf drei Säulen: Die Saline 34, das Netzwerk und das Gründerlabor. Vor fünf Jahren kam die Stadt zu der Entscheidung, das baufällige Haus in der Salinenstraße 34 für Soziokulturelle Projekte zur Verfügung zu stellen. Gefördert durch das Bundesprogramm „Jugend belebt Leerstand“ konnte der Plattform e.V. seit 2011 insgesamt 100.000 Euro in das Haus investieren und es wieder nutzbar machen. Die Werft 34 hatte dadurch rund 1000qm an die Gründer-Initiativen zu verteilen, die ihre Arbeitsflächen individuell gestalten konnten. Heute gibt es in der Saline 34 ein Tonstudio, eine Siebdruckwerkstatt, ein Fotostudio, eine Greenbox, ein Ladenlokal als Veranstaltungsraum und natürlich Ateliers und Büros.

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Rike beim Interview in der Saline

Mit der räumlichen Nähe in der Saline 34 geht fast zwangsläufig eine Vernetzung einher. Die Gründer unterstützen sich gegenseitig und gestalten gemeinsam Workshops und Veranstaltungen. Doch das Netzwerk der Werft 34 geht noch darüber hinaus. Längst gibt es Kooperationen mit anderen soziokulturellen Standorten in Ilversgehofen, wie dem Klanggerüst, dem Nordbahnhof und dem AJZ. Federführend wirkt die Werft auch an der Kulturrauminitiative mit, die Stadtteil übergreifend als kulturelles Bündnis auftritt und sich auf auf politischer Ebene für die Umsetzung des städtischen Kulturkonzeptes einbringt.

Die dritte Säule der Werft ist das Gründerlabor, das sich aus einer finanziellen Starthilfe (jede Gründer-Initiative wurde mit bis zu 1500 Euro gefördert), einem Bildungsprogramm und kontinuierlichem Mentoring zusammensetzt. In Workshops bekommen die Gründer unternehmerisches Know-How vermittelt und die Betreuung durch Mentoren bringt zusätzliche Impulse von Außen. Auf diese Weise hilft die Werft den Gründern selbstständig zu werden.

„Es soll sich alleine weitertragen“

Und diese Selbstständigkeit wird bald gefragt sein. Im Sommer 2016 läuft das Werft-Projekt aus. Fortan werden sich die Gründer also alleine durchschlagen müssen. Damit dieser Übergang reibungslos funktionieren kann, haben Rike und ihre Crew noch einiges zu tun:

„Die einzige Veränderung soll sein, dass es kein Programm mehr für Gründer gibt. Sonst soll sich aber nichts verändern. Unser Projekt war von vornherein so konzipiert, dass es irgendwann auslaufen würde. Es soll sich dann alleine weitertragen.“

Der wichtigste Punkt ist dabei, dass die Saline 34 erhalten bleibt. Der derzeitige Vertrag mit der Stadt läuft bis Ende 2015. Eine Verlängerung sollte angesichts der positiven Entwicklung rund um die Saline 34, die inzwischen so etwas wie der kulturelle Leuchtturm im Norden der Stadt geworden ist, kein Problem sein. Die absolute Wunschlösung wäre natürlich, wenn die Immobilie irgendwann in die Hände der Kulturschaffenden übergeben werden würde.

Darüber hinaus arbeitet die Werft-Crew gerade noch an einem Logbuch, indem sie ihre Erfahrungen rund um das Projekt niederschreiben wollen. Dieses soll ähnlichen Projekten als Leitfaden dienen und auf Schwierigkeiten und mögliche Fehler hinweisen. Für die Crew selbst wird es nach dem Sommer mit einem neuen Projekt weitergehen:

„Wir wollen nicht das gleiche Projekt noch einmal machen, weil wir uns im Plattform e.V. als Ideenschmiede verstehen. Wir haben schon zwei Ideen ins Auge gefasst, mal sehen welche es dann wird. Aber wir sind auf jeden Fall nicht aus der Welt.“

 

Text & Fotos: Andreas Kehrer
26.11.2015

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